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D-er D^MfHe "UWMkmg im Jahre 1866. Parteilos und zum großen Theil nach offtciösen Quellen für das Volk bearbeitet von F. A. Erstes Blatt: Die nächsten Ursachen des Aiisbrnches der Feindseligkeiten unter den deutschen Ttaaten. Braunschweig. V er lag nou Wilhelm Zruff. l Vir glauben, der näheren Schilderung des furchtbaren blutigen Dr.una's, welches seit wenig Wochen sich im deutschen Vatcrlande abspielt, keine bessere Einleitung geben zu können, als dadurch, daß wir ihm die Mahn- und Drohworte Karl Wellers, enthalten in ciü.-m in Nr. 136 der Deutschen Reichszeitung abgedruckten Gedichte, voranstellen, die zugleich den einzigen Zweck, den das Volk des Bürgerkriegs werth halten könnte, den der Einheit des Vaterlandes, Deutschlands, zum Schlachtgeschrei sich wählen. Noch hatte das Volk die Hoffnung, die drohenden Kricgswolkcn würden sich durch den Congrcß zertheilen, den Napoleon im Mai nach Paris zu sammen rief. Noch wähnte es, das Blut seiner Söhne, Brüder und Er halter würde nicht für dynastische Interessen verspritzt zu werden brauchen. Da rief den Großen der Dichter die Mahnung zu: Eh' noch die Kugel kommt ins Rollen, Ihr hohen Herrn bedenkt, bedenkt! Wenn erst des Unheils Mächte grollen, Ist's Cure Macht nicht, die sie lenkt! Ihr spielt mit lohen Feuerbränden, Bis aus die Gluth in Flammen bricht: Den Anfang wohl habt Ihr in Händen, Das Ende doch, das wißt Ihr nicht. Ihr, die Ihr diesen Krieg entzündet, Ihr habt nicht Noth um Haus und Heerd*. Ans Spiel, das Euch Gewinn verkündet, Setzt Ihr ein Leben, das nichts werth. Euch geht das Dasein nicht in Scherben, Euch drücken Weib und Kind nicht schwer, Und wenn Millionen rings verderben, Ihr trinkt Champagner wie vorher. O seid gewarnt! In Feuerstammen Auflodern wird der Völker Zorn: Verzweiflungsmüth schaart sie zusammen, Die Noth stößt in des Aufruhrs Horn. Sie werden kommen jene Tage Voll wilder Wuth mit Schicksalsmacht, Die Ihr wie eine Kindersage In stolzem Dünkel jetzt verlacht. Sie werden kommen, laßt Euch mahne» *, Ruft sie nicht wach mit Frevelmuth: Lenkt in des Rechts und Friedens Bahnen, Spielt nicht mit Volkes Gut und Blut. Noch ist es Zeit, sucht die Versöhnung, Nicht Furcht, Vertrauen nur bringt Frucht, Fügt zur Gewalt nicht die Verhöhnung, Zu schwer sonst wird der Sünden Wucht, Und Ihr, die Ihr auf hohen Zinnen Als Fürsten Deutscher Lande steht, Nur Ehre habt Ihr zu gewinnen, So treu Ihr mit dem Volke geht. Groß ist's, wenn Ihr zum Wohl des Ganzen Manch' stolzem Vorrecht frei entsagt; Doch kläglich klein, im Troß der Schranzen Schlepptragen jeder größern Macht. Schon lauern rings der Feinde viele: Still rüstet das Cäsarenthum, Tyrannen haben stets zum Ziele Erob'rung nur und eitlen Ruhm. Herbei zur Wacht der Heimathserde! Hier gilt es, Alle Hand in Hand! Doch pfui jed' feilem Söldnerschwerte, Das übt Gewalt an fremdem Land! Dumpf schweigend sammeln sich die Heere: Vegeist'rung nicht führt ihren Zug-, Kein Segensspruch stärkt ihre Wehre, Von allen Lippen grollt nur Fluch Ist Deutschland nicht genug zerrissen? Blutfrevel ist der Bruderkrieg! Wir woll'ii von einem Kampf nichts wissen, Wo Niederlage jeder Sieg! Doch müssen wir das Elend tragen, So soll's auch ganz zu Ende gehn, Und als die Frucht von schweren Tagen Der Einheit Freiheitsbau erstehn: Dann wird auch eh'r nicht Frieden tagen, Eh' nicht zerbrochen jeder Zwang, Eh' nicht des Hochmuths Thron zerschlagen, Gedämmt nicht fremder Herrschsucht Drang. Und eh' nicht wird ein Deutschland werden Aus einem Stück und einem Holz, Bis ausgetilgt von deutscher Erden So Oesterreichs wie Preußens Stolz. Alldeutschland nur heißt die Parole: Nicht Habsburg hier und Zollern dort! Alldeutschland hallts von Pol zu Pole: Ein freier Bund der beste Hort! Ein freier Bund! Es grüßt meerübel Das Sternenbanner hell und hehr! Sah's nicht da drüben aus noch trüber? Nun leuchtets herrlich über's Meer. Nach jeder dunklen Unheilswolte Folgt licht der Regenbogen nach ! Freiheit und Frieden jedem Volte, Verheißt der Zukunft neuer Tag! Wohlan, so laßt die Kugel rollen, Ein Hüh'rer noch ist, der sie lenkt: Zu Schanden wird der Willkür Wollen, Und anders kommt es, als Ihr denkt. Mit Schrecken wird das Spiel sich wenden, In Wettern nahn der Zeit Gericht: Den Anfang habt Ihr noch in Händen, Das Ende doch, Ihr wißt es nicht Oesterreich und Preußen hatten im zweiten Schleswig -Holsteinschen Feldzugc, Winter l864, Schleswig-Holstein den Dänen entrissen. Im Bade zu Gastein (15 August 1865) war man einig geworden, daß bis zur end gültigen Entscheidung über das Geschick der Herzogthümer, Preußen Schles wig, Oesterreich Holstein verwalten, beide Verbündete aber auf Ausübung von Souvcrainetätsrechten in den besetzten Landen verzichten wollten. Die endgül tige Entscheidung zog sich in die Länge, Das Sonderbare eines derartigen Verhältnisses mußte mancherlei Reibungen hervorrufen. Aus Bundesgenossen wurden allmählich Gegner, Preußen suchte Oesterreich, Oesterreich Preußen zu übertrumpfen. Der preußische Minister von Bismarck sah scheel dazu, daß Oesterreich durch den Statthalter von Gablenz in Holstein nicht in gleicher Weise auftrat, wie Herr von Manteuffel in Schleswig. Das Ziel des preußischen Staatsmannes war eben die Annerion der Clhhcrzogthümer um jeden Preis und um Oesterreich, das diesen annertonistischen Ideen wider strebte, ein Paroli zu bieten, drang Bismarck auf eine Reform des Bundes, ja lockte die deutschen Völker mit dem Versprechen der Einberufung eines Parlamentes, aus allgemeinen, gleichen und birecten Wahlen mit geheimer Ab stimmung hervorgerufen. Wenn nur der preußische Staat selbst erst die Freiheit genösse! Wenn nur die preußische Regierung die den Völkern gege benen Verheißungen immer erfüllt hätte (1813, 1848)! Und Oesterreich? Es ist wahr, es trat ein für das Recht der Herzogthümer. Aber aus welchem Grunde? Um Preußen zu verhindern, die Beute allein sich anzueignen. So wurde eine Zeitlang hier und dort agitirt, ja endlich wurden sogar die Armeen mobil gemacht. Das deutsche Volk wußte nicht wie ihm geschah. Es sah sich plötzlich in zwei Hecreslager gespalten, ohne recht zu wissen auf wessen Seite das Recht sei. Die Kabinette wünschten den Krieg und das Volk antwortete in unterthänigsten Adressen, es bäte um den Frieden. Stockung im Handel und Wandel war die nächste Folge der kriegerischen Rüstungen. Aber der deutsche Bürger tröstete sich: "ein Kabinetskricg gegen das Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland ! Er ist nicht möglich! Die Soldaten werden sich weigern, sich im Bruderkampfe zu morden! " Nun, die Ereignisse gingen ihren Schritt weiter. Preußen hatte ein Bündniß mit dem Könige von Italien geschlossen, das in seiner ganzen Bedeutung erst gegenwärtig sich enthüllen sollte. Oesterreich sah sich in Nord und Süd bedroht. Es versuchte, die Mittelstaaten für sich zu gewinnen. Im April gab es in einer Depesche Preußen zu verstehen, es werde die holsteinische Frage an den Bund bringen. Das hätte es nur früher thun sollen! Sachsen, mitten zwischen den beiden Großstaatcn gelegen, rüstete. Preußen verlangte Aufklärung über diese Rüstungen. Sachsen entschuldigte sich damit es müsse den Maßregeln, welche etwaige Bundcsbeschlüsse erforderten, recht- zeitig Folge leisten können. Zwischen Oesterreich, das von Preußen geheimer Rüstungen beschuldigt wurde, und letzterem Staate, flogen unterdessen die Depeschen hin und her und machten die letzte Friedcnshossnung schwinden. Am 3 Mai wurde in Veneticn die Eisenbahnbrücke zwischen Pcschiera und Desenzano abgebrochen, nach Italien wurden keine Billets mehr ausgegeben. In den folgenden Tagen wurde prcußischcrseits die Kriegsbereitschaft für das zweite, dritte, vierte, fünfte, sechsste, achte und für das Gardcarmcecorps verfügt. Außerdem wurden für die ganze Armee die Ersatzbataillone formirt, die gesammte Infanterie auf Kriegsstärke gestellt. Sämmtliche Cavallerie- regimenter sollten ihren Pferdebestand vermehren und Ersatzescadrons zu 150 Pferden bilden. Die gesammte Artillerie wurde mobilistrt. Bange Schwüle lastete auf den Gemüthern, durch Reden und Petitionen suchte man das heraufziehende Kriegswcttcr zu beschwören. Vergeblich ! Nun steckte man, wie der Vogel Strauß, den Kops in den Sand und ließ die Dinge kommen wie sie kommen wollten. Allerhand Gerüchte tauchten auf, eines abenteuerlicher als das andere. Hannover, hieß es, habe mit Preußen einen Vertrag geschlossen. Es werde ihm der Besitzstand garantirt, wogegen es 15000 Mann zu Preußen stelle. Auch die Dreitheilung Deutschlands (Preußen, Baiern, Oesterreich), ward vielfach angekündigt. In der Sitzung des Bundestags am 5. Mai legte Sachsen eine Sommationsnote Preußens und die Antwort des sächsischen Ministers darauf vor, fügte hinzu, das Berlinel Kabinet habe erklärt, Preußen betrachte die sächsische Aufklärung für unbefriedigend und es (Sachsen) stelle daher den Antrag auf Inter- vention des Bundes in dem Conflicte mit Preußen. Der preußische Gesandte beantwortete dies dahin, daß die militairischen Maßregeln Preußens nur einen defensiven Character trügen, mithin dem Bunde kein Anlaß vorliege, dem Antrage Sachsens nachzugeben; die ganze österreichische Armee ward auf den Kriegsfuß gesetzt. Am 9. Mai wurde in Frankfurt über den Antrag Sachsens abgestimmt und derselbe angenommen. Der preußische Gesandte erklärte: Preußen wird die zu seiner Nothwehr getroffenen mili tairischen Maßnahmen gern einstellen, wenn der Bund die Abstellung seiner Rüstungen herbeiführt. Sollte der Bund sich nicht dazu bewogen finden, oder die Kraft dazu nicht haben, so wird sich Preußen allerdings gezwungen sehen, die eigene Sicherheit und die Erhaltung seiner europäischen Stellung in erste Linie zu stellen. *) Allmählig rüsteten auch die Bundesstaaten, Baiem an der Spitze. Sie müssen aber sehr langsam ge- ') An demselben 9. Mai wurden die preußischen Kammern aufgelöst rüstet haben, der späteren Erfahrung nach! Unterdessen hielten die Minister der deutschen Mittel- und Kleinstaaten Conferenzen. Sie scheinen aber auf denselben nichts Besonderes beschlossen zu haben. Gleich einem Funken in ein Pulverfaß schlug am 16. Mai die Nachricht in das Publikum ein, aus der Gegend von Klingebeutel werde eine Grenzverletzung durch eine öster reichische Patrouille gemeldet, welche Gewaltthätigkeiten gegen im Dienste befindliche preußische Zollbeamten verübt habe. Noch war aber die Stunde der Entscheidung nicht gekommen. Oesterreich versprach die Angelegenheit zu untersuchen und dieselbe verlief im Sande. General Benedeck indeß über nahm auf Befehl des Kaisers am 18. Mai das Commando über die auf zustellende Nordarmee und erließ einen Armeebefehl. Unterdessen schien sich eine Aenderung des Verhältnisses vorzubereiten. Kaiser Napoleon stellte sich an, als wolle er, um das drohende Unwetter in Deutschland zu beschwören, einen Kongreß in Paris versammeln, der die brennenden Tagesfragen ordnen solle. Preußen und Italien erklärten sich bereit, ihn zu beschicken; an Oester reichs Hartnäckigkeit zerschlug sich aber das Friedenswerk und der Franzosen kaiser hatte seine Liebe zur Eintracht kund gethan und konnte nun ruhig, das Weitere erwarten. Es wird ihm recht behaglich zu Muthe gewesen sein dem gekrönten Friedensstifter! Wichtig war die Bundestagssttzung vom 19. Mai. Die Regierungen von Vaiern, Würtemberg, Baden, Hessen- Darmstadt, Nassau, Weimar, Koburg und Meiningen brachten den Antrag ein: Hohe Bundesversammlung wolle an alle diejenigen Mitglieder, welche über den Friedensstand hinausgehende militairische Maßnahmen ober Rüstungen vorgenommen haben, das Ersuchen richten, in der nächsten Sitzung der Bun desversammlung eine Erklärung abzugeben, ob und unter welchen Bedingun gen sie bereit seien, gleichzeitig und zwar vor einem in der Bundesversamm lung zu vereinbarenden Tage an die Zurückführung ihrer Streitkräfte auf den Friedensstand anzuordnen. Außerdem wurde von Seite des niederländi schen Gesandten der Antrag eingebracht, die Bundesversammlung möge den die Aufnahme des Herzogthums Limburg betreffenden Bundesbeschluß vom 5. September 1839 wieder aufheben, und somit den Austritt des Herzogthums aus dem Bundesverhältniß genehmigen. Bei der Abstimmung über den ersten dieser Anträge stimmte Preußen demselben bei und ermähnte die Bundesglieder, dem Deutschen Volke das Elend eines inneren Krieges zu ersparen, indem sie zu schleuniger Beschlußnahme über die am 9. April. von Preußen beantragte Berufung der deutschen Volksvertretung schritten. Für den niederländischen Antrag, Entlassung Limburgs aus dem Bundes verbände betreffend, wurde ein besonderer Ausschuß von fünf Mitgliedern eingesetzt. Trüber und trüber gestaltet sich von nun an die Situation Geringer und geringer wurden die Hoffnungen der Friedensfreunde. Am 6. Juni erscheint in der Kieler Zeitung das Einbcrufungspatent der holsteinschen Stände von Seiten des österreichischen Kaisers. Gegen diesen Schritt erhebt Preußen energischen Protest. Die Oesterreicher räumen Elmshorn und verschanzen sich in Wedel, die Regierung verlegt der Statthalter nach Altona, Am 7. Juni rücken die preußischen Truppen in Holstein ein, einem deutschen Bundeslande; das große Trauerspiel beginnt. Von nun an rückt Preußen nur immer vor, Oesterreich und seine Ver bündeten weichen immer zurück. Die Ereignisse treffen die zitternden Mensch lein gleich wuchtigen Keulenichlägcn. Der Krieg, das Ungeheuer, der Bruder krieg in seiner ganzen Scheußlichkeit, er thut den gefräßigen Rachen auf. Mein Volk, mein deutsches Volk, deine Kinder würgen sich einander, ohne Zweck, ohne höhere Idee, und du bist ohnmächtig, ganz verlassen, dem Willen deiner Machthaber preisgegeben, deren die wenigsten ein deutsches Herz im Busen tragen. In der außerordentlichen Bundestagssitzung von 11. Juni zeigt Oesterreich an, daß preußische Truppen in Holstein eingerückt seien und daß Manteuffel die Regierungsgewalt an sich genommen habe. Diesem Act der Selbsthülfe Einhalt zu thun, sei die Bundesver sammlung nach Art. 19 der Wiener Schlußacte berufen und verpflichtet. Oesterreich beantragt daher schleunige Mobilmachung des ganzen Bundesheeres, mit Ausnahme der zur preußischen Armee gehörigen Corps. Generallieutnant von Manteuffel erläßt aber unter demselben Datum eine Proklamation an die Bewohner Holsteins, des Inhalts: Einwohner deS Herzogthums Holstein! Die k. t, österreichische Regierung hat sich durch die in der deutschen Bundesversammlung am 1. d. Mts. abgegebene Erklärung thatsächlich von dem Gasteiner Vertrage losgesagt. Die Sr. Majestät dem König von Preußen nach dem Wiener Frieden zustehenden Souverainetätsrechte am Herzogthum Holstein sind durch die einseitig erfolgte Einberufung der Stände verletzt. Mit Wahrung dieser Rechte hat Se. Majestät der König mich zu beauftragen geruht. Ich habe das Herzogthum Holstein daher wieder, wie vor dem Gasteincr Vertrage, mit preußischen Truppen besetzt. Die Hoffnung, daß die k, k, österreichische Regierung auf eingelegten Protest gegen Einberufung der Stände diese Maßregel rückgängig machen werde, ist nicht erfüllt worden. Ich bin dadurch genöthigt, zur Wahrung der bedrohten Rechte Sr. Majestät des Königs die oberste Regierungsgewalt auch im Herzogthum Holstein in die Hand zu nehmen und thue dieses hier durch mit der Aufforderung an Alle, insonderheit Behörden und Beamte, meinen Anordnungen überall unweigerlich Folge zu leisten. Ich erkenne das ruhige und besonnene Verhalten, welches die Einwohner Holsteins ausnahmslos beim. Einmärsche der preußischen Truppen diesen gegenüber beobachtet haben, gern an. Dasselbe ist mir ein neuer Beweis, daß die prcußenfeindliche Haltung eines Theiles der Presse und der politischen Vereine der wahren Stimmung der Bevölkerung keineswegs entspricht und ich erwarte, daß auch das fernere Verhalten mich nirgends zu Ausnahms maßregeln nöthigen wird. Sämmtliche politischen Vereine werden geschlossen. Politische Blätter, die seither ohne Concession herausgegeben worden sind, hören mit dem heutigen Tage so lange zu erscheinen auf, bis zu ihrer Herausgabe die gesetzlich vorgeschriebene Concession eingeholt und ertheilt sein wird. Blätter, die nur zu Anzeigen concessionirt sind, haben sich auf diese zu beschränken. Die durch Bekanntmachung des k. k. Herrn Statt halters vom 15. September 1865 eingesetzte holsteinische Landesregierung in Kiel ist aufgelöst. Die Mitglieder derselben sind ihrer Functtonen enthoben. Eine Bekanntmachung über die anderwcite Organisation der Centralbehörde bleibt vorbehalten. Der Baron Karl v. Scheel -Plessen übernimmt auf Allerhöchsten Befehl, zugleich als Oberpräsident für beide Herzogthümer, die Leitung sämmtlicher Geschäfte der Civilverwaltung unter der Autorität der höchsten Militairgewalt und wird seinen Wohnsitz in Kiel haben. Einwohner des Herzogthums Holstein! Se. Majestät der König be absichtigt, dem Princip der Zusammengehörigkeit entsprechend, eine Gesammt vertretung der Herzogthümer Schleswig-Holstein ins Leben zu rufen. Um solche auf legalem Wege anzubahnen, sollen die Stände jedes der beiden Herzogthümer einberufen werden, und die dazu nöthigen Einleitungen sind bereits getroffen. Rendsburg, den 10. Juni 1866. Der königl. preußische Gouverneur E. v. Manteuffel, Gencrallicutenant und Generaladjutant Sr. Majestät des Königs. An demselben Tage verhaftet der preußische Hauptmann von Gottberg den Regierungsrath Lesser, den vom Statthalter von Gablenz ernannten Regieiungscommissär und sprengt dadurch die Etändeversammlung zu Itzehoe. Gablenz erläßt die folgende Proklamation: Einwohner Holsteins! Der vertragswidrigen Besetzung Holsteins durch preußische Truppen, die mich veranlaßte, den Sitz der Statthalterschaft und der Landesregierung nach Altona zu verlegen, sind Gewaltmaßregeln gefolgt. Das Zusammentreten der in Folge allerhöchsten Auftrags von mir berufenen holsteinischen Etandevcrsammlung ist durch Waffengewalt verhindert, der Landtagscommissatr verhaftet worden. Durch Proclamation vom 10. Juni hat der preußische Gouverneur für Schleswig ferner kundgegeben, daß er die oberste Regicrungsgew.llt auch in Holstein in die Hand nehmen werde; er hat zu Ausführung dessen der von mir im Auftrage meines Kaisers bestellten Landesregierung ihre Entlassung angekündigt und eine andere Civilverwaltung bereits eingesetzt. Die preußischen Truppen sind in An marsch auf Altona. Die mir zu Gebote stehenden Streitkräfte waren nicht darauf berechnet, einem feindlichen Angriff einer bisher verbündeten deutschen Macht Wider stand zu leisten; ich bin außer Stande, mit meiner kleinen Schaar der verübten Gewalt wirksam entgegenzutreten und das Recht zu schützen. Um die Truppen nicht nutzlos zu opfern, weiche ich, dem allerhöchsten Befehle des Kaisers solgend, der Uebermacht und verlasse mit ihnen das Land. Brave Holsteiner! Als ich auf Befehl meines allergnädigsten Herrn die Regierung Eures Landes übernahm, seid ihr mir mit Vertrauen ent gegengekommen und ihr habt dasselbe mir im wachsenden Maße bis heute bewahrt. Nehmet meinen herzlichen Dank dafür! Schwere Tage werden über Euch kommen. Einstweilen wird die Gewalt herrschen; fügt Euch derselben mit Eurer bewährten Besonnenheit, Bleibt aber auch in dieser neuen Prüfung treu Eurer guten Sache. Euer Geschick steht in Gottes Hand, harret aus im Vertrauen auf eine glückliche Lösung. Altona, 12. Juni. Der k, k. Statthalter für Holstein. Gablenz. Am 12. Juni verlassen die Oesterreicher Holstein, mit ihnen der Herzog von Augustenburg. Die Preußen rücken in Altona ein. Die diplomatischen Beziehungen zwischen Oesterreich und Preußen werden abgebrochen, der österreichische Gesandte angewiesen, Berlin zu verlassen. Am 14. Juni fand die Abstimmung im Bunde über den österreichischen Antrag vom 11. Juni statt. Ein weltgeschichtliches Eretgniß von unübersehbarer Tragweite! Die Bundesversammlung beschließt mit 9 gegen 7 Stimmen die Mobilmachung des siebenten, achten, neunten und zehnten Bunbesarmeecorps. Nach der Schlußziehung «klärt der preußische Gesandte, er betrachte den bisherigen Bundesvertrag als erloschen, lege das Project eines neuen Bundes vor und erkläre seine Thätigkeit an der Versammlung für beendet: er verläßt den Saal. Das Präsidium erklärt, laut Artikel 1 der Bundesakte sei der Bund ein unauflöslicher Verein, auf dessen un geschmälerten Fortbcstand das gei'ammte Deutschland ein Recht habe und aus welchem der Austritt keinem Mitgliede frei stehe. Auf Einladung des Präsidiums schließt sich die Bundesversammlung dem feierlichen Proteste und der Wahrung der Rechte und Zuständigkeiten des Bundes, welcher in voll kommen bindender Kraft sorlbcsieht, an. — Die Zustimmung zum Antrage achtet Preußen einer selbständigen Kriegserklärung der betreffenden Regierungen gleich. Bei der Abstimmung am Bundestage am 14. Juni, der so verhau niß votlen für unser deutsches Vaterland, stimmte die 13. Eurie, Braunschweig und Nassau, für den Antrag Oesterreichs, als Curie. Braunschweig indeß erklärte: Der Antrag der k. k. österreichischen Regierung ist zunächst darauf gegründet, daß der Wiener Fricdensvertrag sowie die Gasteiner Convention von Preußen verletzt worden. Da jedoch dici'e beiden Verträge von Oester reich und Preußen lediglich in ihrer Eigenschaft als europäische Großmächte gegen die Intcnsionen des Bundes und gegen das Bund esr echt ge schlossen, auch in Folge davon die Bundestruppen aus Holstein entfernt worden feien, so stelle es sich als untbunlich dar, für die Aufrechterhaltung dieser internationalen, den Bund benachtbeiligenden Abmachungen von Bundes wegen einzutreten. Ferner mangele es zur Zeit gänzlich an einer genug'am vorbereiteten bundesgei'etzlichcn Grundlage für ein Bundeserccutionsverfahren, und sonach auch für jetzt an einem genügenden Anlasse zur Mobiliürung des Bundcsheercs. Die herzogliche Regierung sehe sich daher veranlaßt, sich gegen den t. k. österreichischen Antrag zu erklären. Hannover und Kur hessen erklären sich gegen die in Punkt 4 des Antrags geforderte Ernennung des Obcrbefcblsbabcrs , stimmen aber für den Antrag. Baden erklärte: "Die gioßhcrzogliche Regierung muß davon ausgehen, daß die durch den österreichischen Antrag an die bobe Bundesversammlung gekommene Anzeige über die bedauerlichen Vorfälle in Holstein zuvörderst bundcsgemäß zu be handeln, und daß somit nach Art. 18 und 19 der Wiener Echlu^acie der Bund Racb über die Erhaltung und Wiedeiberstcllung der innern Ruhe und Sicherheit des Bundes zu pflegen und diejenigen Maßregeln zu be stimmen bat, welche in dem vorliegenden Fall zu dieser Erhaltung und Wiederherstellung des Vundesie.btö nothwendig sind. Zu diesem Zweck wird die Bundesversammlung vor Allem einem Ausschuß den baldigsten Vorschlag der Maßregeln zu übertragen haben, welche rathsam und nothwendig sind Die großherzogliche Regierung glaubt zugleich, daß der Zeitpunkt gekommen sei, in dem die Hohe Bundesversammlung in Gemäßhcit der Art. 11 der Bundcsactc und 21 der Wiener Schlußactc ihre Thätigkeit vermittelnd eintreten lasse, um die Wiederkehr eines bundcsmäßigcn Zustandes zuvörderst in Holstein zu erwirken. Die Haltung, welche Oesterreich in der jüngsten Zeit in der Frage der Herzogthümer dem Bund gegenüber eingenommen, und die Erklärungen, welche Preußen wiederholt abgegeben, wonach von ihm eine Friedensstörung nicht ausgehen solle, lassen noch hoffen, daß es der Hohen Bundesversammlung gelingen könne, durch unbefangene Erörterung über die Ansprüche beider Staaten einen ehrenvollen Ausgleich unter den selben unter Wahrung des Pundesrecht zu ermöglichen. Indem die groß herzogliche Regierung diesen Antrag stellt, kann sie zu ihrer Genugthuung beifügen, daß sie selbst sich bereits in Verbindung mit ihren Nachbarstaaten in den Stand setzt, einer an sie ergehenden Aufforderung des Bundes zur Erfüllung ihrer Bundcspflichten rechtzeitig Genüge zu leisten, und daß daher nur der Wunsch, die Erhaltung des Friedens, wenn thunlich zu ermöglichen, und in dieser wichtigen Frage strengstens die bundcsgesetzlichen Vorschriften einzuhalten, ihr Votum leitet." Mit blitzähnlicher Schnelligkeit traf nun Preußen die ernstesten Anstal ten, seinen Gegnern zuvorzukommen und sie zu theilen und einzeln zu schla gen. Es richtete an die Regierungen von Hannover, Sachsen, Kurhessen und Nassau ein Ultimatum, in welchem es Neutralität, Versetzung der Armee auf Friedensütß und baldige Cinberuftmg des Parlaments zur Gründung einer neuen Bundcsverfassung forderte. Die Herrscher dieser Länder glaubten es ihrer Cbrc schuldig zu sein, diese Forderungen ablehnen zu müssen. In Folge dessen übergab der betreffende preußische Gesandte den Höfen eine förmliche Kriegserklärung. Am 16 Juni wurde am Bundestage der Antrag Sachsens auf Bundeshülfe gegen Preußen mit 10 gegen 5 Stimmen angenommen O cnerreich und Baiein erklärten sich zur Ausführung be reit. (Aber diese Ausführung hat so lange auf sich warten lassen, bis es zu spät war.) Tie hannoveri'che Armee conccntrirte sich in Göttingcn und der König Georg reiste in Begleitung des Kronprinzen dahin ab. Der Kurfürst von Hessen ertheilte seiner Armee den Befehl, sich zum Abmarsch nach dem Lüden bereit zu halten. Die Sachsen hielten das Elbthal zwischen Meißen und Pirna besetzt. Man erwartete jede Stunde in der sächsischen Hauptstadt, einem der wichtigsten militairii'chen Punkte, das Einrücken der Oesterreichs zur Deckung des Landes. Sie erschienen nicht. Dagegen rückten die preußischen Marschkolonnen, vollständig ausgerüstet, nach allen Richtungen vor. Bewegt war der Abschied der Tapfern aus dem Vaterlands. Wie mancher von ihnen ruht schon im kühlen Erdenschooßel Seit 50 Jahren hatte das zweite Garderegimcnt z. B. in Berlin gestanden. Bei seinem Ab märsche, der Nachts 11 Uhr begann, hatten sich endlose Massen der Bevölkerung eingefunden, die unter Hurrahruf und Thränen den Scheidenden das Geleite gaben. Als das dritte Gardefüsilier Regiment früh halb 3 Uhr die Holz straße entlang zog, blitzerten die Gewehre blutigroth in den Strahlen der aufgehenden Morgensonne. Bewegt stimmten die Truppen das Lied an: "Morgenroth, Morgenroth, leuchtest mir zu frühem Tod ! " das Volk fiel in den Gesang ein und geleitete seine Kinder zum Bahnhofe. Ein erhebender Augenblick! — Der Krieg beginnt. Ehe wir die blutigen Bilder desselben uns vor Augen führen, wollen wir noch einige statistische Notizen diesem ersten Artikel anfügen. Gegen den Antrag am 14. Juni haben Preußen, Baden, Luremburg, die zwölfte, vierzehnte, fünfzehnte und siebcnzehnte Curie gestimmt. Die engere Versammlung der Bundesversammlung theilt sich nämlich in 17 Curien, welche sich folgendermaßen vertheilen: 1. Curie Oesterreich. 2. " Preußen. 3. " Baiern. 4. " Sachsen. 5. " Hannover. 6. " Würtemberg. 7. " Baden. 8. " Kurhessen. 9. " Großherzogthum Hessen. 10. " Holstein (nicht vertreten am 14. Juni). 11. " Luremburg mit Limburg. 12. " Die Großhcrzogl. und Herzogt. Sächs. Häuser. 13. " Braunschweig und Nassau. 14. " Mecklenburg-Schwerin und Strelitz. 15. " Oldenburg. Anhalt. Schwarzburg und Lichtenstein. 16. " Reuß. Die Lippe'schen Fürstenthümer. Waldeck. 17. " Lübeck. Frankfurt. Bremen. Hamburg. Außer Oesterreich (1. 2. und 3. Armeecorps) und Preußen (4. 5. und 6. Armeecorps) stellt der Deutsche Bund: 362,596 Mann, nämlich: Das 7. Bundes -Armeccorps stellt Baiem. 1387 V^Q. Meilen, 4,541,456 Einwohner. 138,038 Mann Infanterie. 23,179 Mann Cavallerie 24,760 Mann Artillerie. 3674 Mann Genie :c. Summa 188,661 Mann, wozu noch 56,500 Mann Landwehr. Das 8. Bundes-Armeccorps stellen 3 Staaten: Würtemberg. 354 Q. Meilen. 1,669,720 Einwohner. 22,029 Mann Kriegsstärke; 9696 Mann Friedensstärke. Baden. 278 '/^ Q. Meilen 1,956.943 Einwohner. 16,667 Mann. Großherzogthum Hessen. 152^ Q. Meilen. 836,424 Einwohner 10,621 Mann. Das 9. Bundes-Armeccorps hat 1. Division Sachsen. 271 '/2 Q*. Meilen. 2,039,072 Einwohner. 25,396 Mann. 5. Division K.- Hessen. 174 Q. Meilen. 755,350 Einwohner. 6159 Mann Friedensstärke; 15,086 Mann Kriegsstärke. 3. Division Limburg. 2435 Mann. Das 10. Bundes -Armeecorps: Hannover. 699 Q. Meilen. 1,819,777 Einw. 26.497 Mann. Braunschweig. 6? Q. Meilen. 269,915 Einw. 5359 " Holstein. 18? Q. Meilen. 550,000 Einw. . 5400 " Schwerin. 241 Q. Meilen. 542,763 Einw. . 5380 ,, Streich. 50 Q. Meilen. 99,628 Einw. . . 838 " Oldenburg. 114 Q*. Meilen. 287,163 Einw. 3738 " Lübeck. 6. Q. Meilen. 55,423 Einw. . . 511 " Bremen. 3'/. Q. Meilen. 88,856 Einw. . 760 " Hamburg. 6'/2 Q. Meilen. 220. 401 Einw. . 1289 " 9 Kontingente des 10. Bundes-Armeecorps . 49,881 Mann. 15 Contingcnte der Reserve-Division . 22,511 " Außer Oesterreich und Preußen kann also der deutsche Bund stellen 362,596 " Bis zum 14. Juni 1866 bestand Deutschland aus folgenden Bundesstaaten Q. M. Kaiscrthum Oesterreich 3546. *) Königreich Preußen mit Lauenburg 3410.**) Baiern 1383. " Hannover 700. " Würtemberg 354. Sachsen 272. Kurfürstenthum Hessen 174. Großherzogthum Hessen mit der Land- grafschaft Hessen-Homburg 158. ***) Bundesgebiet. In Oesterreich in Summa 11750 Q. Meilen. ") Bundesgebiet. In Preußen in Summ» 510? Q. Meilen Q. M. Großherzogthum Oldenburg 116. " Sachsen-Weimar 66. Baden 278. " Luremburg mit Limburg 87. " Mecklenburg - Schwerin 24 1 . -Strelitz 49. Herzogthum Braunschweig 68. Nassau 87. Anhalt 43. " Sachsen -Coburg-Gotha 36. Altenburg 24. " Meiningen- hildburghausen 46. Fürstenthum Schwarzburg -Rudolstadt 17. " Sondershausen 15. " Reuß, ältere Linie 6. " jüngere Linie 15. " Lichtcnftein 3. " Lippe -Dctmold 21. " " -Schaumburg 8. Waldeck 22. Freie Stadt Hamburg 6. " " Bremen 5. " " Lübeck 7. " " Frankfurt a. M. 2. Herzogthum Schleswig-Holstein 322. Summa: 11592 Q. Meilen. diesen 11592 Q*. Meilen wohnen circa 46 Millionen Menschen. Auf Das zweite Blatt enthält die Geschichte der Occupation Hannovers, Sachsens und Kurhessens von Seiten Preußens. Druck von H. Sievers u, Co Die Occnpation des Königreichs Hannover durch die Preußen. <2. Blatt des deutschen Bürgerkrieges.) Am 15. Juni setzte ein preußisches Truppencorps bei Hamburg über die Elbe und drang gegen die hannoversche Stadt Harburg vor. Dort hatten am Abend vorher Quartiermacher die Ankunft von 3000 Mann hannoverscher Truppen angesagt. Diese Truppen trafen indeß nicht ein; vielmehr wurden, unter Begleitung des hannoverschen Bahnpersonals, die meisten Eisenbahnwagen und Locomotiven nach Süden zu in Sicherheit zu bringen gesucht. Die Preußen rückten, 5000 Mann stark, ohne Widerstand in Haiburg ein und das kleine dort befindliche Detachement vom 5. Infanterieregimente zog sich zurück. Die Einwohner empfingen die Feinde mit dumpfer Resignation. Die Bahn zwischen Harburg und Hannover war durch Aufreißen von Schienen, Abheben der Holz>'chwellen u. s, w. unfahrbar gemacht worden und auch der Telegraph antwortete nicht mehr. Den Bahnhof besetzten die Preußen und die zurückgebliebenen wenigen Unterbeamten lieferten ihnen die Schlüssel aus. In Hamburg wurde den Tag darauf die hannovrische Telegraphenstation geschlossen. Herr von Manteuffel erließ an die Einwohner des occupirten Landes folgende Proklamation : "Hannoveraner! Seit Wochen hat Se. Majestät, mein König und Herr, sich bemüht, die schwebenden Fragen mit dem königlichen Eabinet in Hannover vertragsmäßig zu ordnen. Es ist verweigert worden. Die Sicherheit Preußens erfordert, daß im Rücken seiner Armee keine Feinde bleiben. Mein König und Herr hat daher die Entlassung der Soldaten verlangt, welche über die Friedensstärke der königlich hannoverschen Armee eingezogen worden sind. Nur durch die Gewährung dieser Forderung würden Hannover die Leiden des Krieges erspart sein. Bis dahin muß ich Hannover als im Kriegszustande gegen Preußen betrachten und hiernach handeln. Ich rücke nicht als Feind der braven Einwohner des Königreichs ein. Ihr Privatcigenthum wird streng geschont werden. Die königlichen Truppen werden die preußische Disciplin auch hier bewähren. Hannove raner! Kommt auch Ihr ihnen freundlich entgegen. Harburg, 16. Juni 1866. (gez.) v. Manteuffel." Unterdessen waren die Preußen auch von Minden, Lauenburg und Glücksstiidt aus im Königreiche vorgedrungen und bereits den 17. Juni rückten die ersten preußischen Husaren durch d ieResidenzstadt Hannover zum Bahnhofe. Am 18. Juni, dem Jahrestage der Schlacht von Waterloo, in welcher die Hannoveraner eine so heidenmäßige Bravour bewiesen, rückte General von Manteuffel an der Spitze seiner Truppen in Lüneburg ein. Die Operationen gegen Hannover überhaupt leitete der Generallieutenant von Goeben. Der Magistrat der Residenzstadt Hannover forderte die Einwohner zur Unterwerfung unter das Geschick durch folgende Bekanntmachung auf: "Der Ernst des Tages, die Gefahren, von welchen unsere theure Stadt bedroht erscheint, machen es uns zur Pflicht, die dringende Bitte, die Mahnung an unsere Mitbürger zu richten, mit voller Kraft und Ent schiedenheit dahin zu wirken, daß keine Unordnungen irgend welcher Art entstehen, daß die Ruhe gewahrt bleibt, daß mit pflichttreuer Ergebung getragen wird, was getragen werden muß! In der Hand der Bürger liegt der Schutz der Stadt, wir wollen und können ihn uns sichern durch kräftige Sorge für Ruhe und Ordnung!" Der König von Hannover begab sich den 16. Juni Morgens 3 Uhr auf die Reise nach Göttingen. Dem scheidenden Monarchen brachten seine Unterthanen nicht endenwollende Hochs aus. Derselbe erließ fol gendes Abschiedswort: AnMagistrctt, Bürgervorsteher unbBürger meiner geliebten Residenzstadt Hannover! Im Begriff, mit dem theuern Kronprinzen Mich zu Meiner Armee in dem südlichen Theile Meines Königreichs zu begeben, lasse Ich Meine theure Königin und geliebten Töchter zu Herrenhausen eurer bewährten treuen Liebe und Anhänglichkeit zurück. Herren Hausen, 16. Juni 1866. Georg liex! Den 17. Juni, Abends 7 Uhr, rückte die 13. preußische Division unter General von Falkenstein mit klingendem Spiele in die Stadt Han nover ein. Die Infanterie und Artillerie marschirtcn nach dem Waterloo platze und zogen sodann in einzelnen Zügen zur Quartiernahme in die Stadt. Das Kürassierregiment und die Cavallerie bezogen die umliegen den Dörfer, die Artillerie wurde in der Artilleriekaserne untergebracht. Das Einquartieren der Truppen geschah verhältnismäßig rasch. Größere Häuser erhielten 6—12, kleinere 1 — 2 Mann. Der Heercstheil zählte ca. 17,000 Mann. General von Falkenstein erließ noch an demselben Tage eine Bekanntmachung an die Einwohner und einen Corpsbefehl an feine Truppen. Die Bekanntmachung lautete: "Ich bin beute mit einem Theil der mir untergebenen Truppen in eine Von ihrer Regierung verlassene Hauptstadt eingerückt. Die Sorge für die Verwaltung wird nun den Zurückgebliebenen anheim fallen müssen. Hierin soll Niemand von mir behindert werden. Ich werde mich zuvör derst lediglich darauf beschränken, die für die etwaige Sicherung meines Corps nochwendigen Maßregeln herbeizuführen und veranlassen, daß die Verpflegung desselben, die nunmehr nach Kriegsgebrauch jedem feindlichen Lande anheimfällt, in geregelter Weise herbeigeschafft werde. Hannover, 17. Juni 1866. Der commcmdirende General. gez. v. Falkenstein." Folgendes war der Corpsbefehl: "Hannover, Sachsen, Kurhessen, mit denen wir bis jetzt in Friede und Freundschaft lebten, haben auf Ansuchen Oesterreichs beschlossen, eine Erecutionsarmee gegen Preußen "ins Feld zu stellen. Es ist nicht unsere Sache, die Gründe dafür zu erforschen, aber selbstverständlich ist diescrhalb Er. Majestät unserem Allergnädigsten Könige nichts übrig geblieben, als den übermüthigen Regierungen jener Kleinstaaten den Krieg zu erklären, was geschehen. Heute rücken wir nun in Kurhessen und Hannover als Feinde ein. Nichtsdestoweniger wollen wir es uns angelegen sein lassen, den ruhigen Landeseinwohnern gegenüber, denen diese Vorgänge gar nicht lieb sind, auch unsererseits zu zeigen, wie wir es beklagen, zu einem brudermörderischen Kriege herausgefordert zu sein, Soldaten des west phälischen Corps! In diesem Sinne laßt uns den bevorstehenden K*rieg durchkämpfen; wir wollen unsern gegenwärtigen Feinden zeigen, daß eine mehr denn fünfzigjährige Freundschaft in uns eine zu schöne Erinnerung zurückgelassen hat, um uns sofort zu rücksichtslosen Feinden umstimmen zu können. Der commandircnde General. gez. v, Falkenstein." Das Benehmen der Truppen gegen die Einwohner war ein ruhiges und freundliches. Auch die letzteren ermangelten nicht, durch ruhige Er gebung ins Unvermeidliche und gefälliges Entgegenkommen, so weit der Ernst der Zeit es erlaubte, sich eine humane Behandlung zu sichern. Auf dem Bahnhofe vor der Stadt bivoucckirten 1000 Mann und fochten bort ab. Lebensmittel lieferte ihnen die Stadt, wie unter Anderen der Re staurateur Kasten von der Gcorgshalle 1000 Portionen Kaffee sandte. Natürlich wurden die Verkehrsanstaltcn, Eisenbahnen, Telegraph, Posten, sofort unter Aufsicht des preußischen Militärs gestellt und die preußische Regierung gab sogleich Befehl, alle Eisenbahnstrecken, mit Ausnahme der nach dem Süden, wieder herzustellen. Auch die öffentlichen Kassen wurden mit Beschlag belegt. Am 18. Juni Morgens zwischen 2 und 3 Uhr wurde die Festung Stade an der Elbe von einem preußischen Bataillon unter Anführung des Obrist- Lieutenants von Cranach besetzt. Die Besatzung wich der Uebermacht. Um 9 Uhr fr.ch erfolgte die Uebergabe der Waffen und die Preußen bezogen die Wachen Das hannoversche Militär wurde entlassen und mußte bis zum Abend die Stadt räumen. Den Officieren wurde daS Seitengewehr gelassen. Das feindliche Bataillon war auf den Ka nonenbooten "Loreley" und "Cyclop", wie auf einem Privatdampfer von Harburg aus nach Twidensteth befördert und dort ausgeschifft worden. Etwa 1000 Schritte vor der Festung war die Colonnc von einer Vedette entdeckt und die Garnison alarmirt worden. In Folge dessen wurden die Festungsthore geschlossen. Doch gelang es mit Hülfe der von Matrosen mitgeführten Brechinstrumenten den Preußen bald, das Thor zu erbrechen und sie strömten in die Festung hinein. In der zum Markte führenden Straße, auf der die Hauptwache gelegen, kam eine geschlossene Abtheilung hannoverscher Truppen in der Stärke von etwa 40 Mann der Colonne entgegen und auf dem Markt wurde eine größere Zahl derselben sichtbar. Oberstlieutenant von Cranach forderte die Hannoveraner zum Niederlegen der Waffen auf. Der die Abtheilung commandirende Officier ließ statt dessen zur Attaque das Gewehr fällen. Da erschien em hannoverscher Stabsofficier zwischen den Abtheilungen und bat, die Feindseligkeiten ein zustellen, die hannoverschen Truppen hätten Befehl, sich nicht zu verthei digen und der Commandant wäre geneigt, zu capitul,ren. Demgemäß wurde sogleich Halt gemacht und eine Kapitulation abgeschlossen. An Kriegsmaterial wurden in Stade 21 gezogene Geschütze, 8 Haubitzen, 6 Mörser und andere Kanonen, 14000 neue gezogene Gewehre, zahlreiche Munition und andere Kriegsbedürfnisse erbeutet. Die Eisenbahncommu ntcation mit Hannover wurde sogleich wieder hergestellt. Unterm 19. Juni veröffentlichte der General von Falkenstein noch eine Bekanntmachung über die Fortführung der Regierung. Dieselbe lautet "Die Verwaltung des Königreichs Hannover geht von heute an auf mich über Die verschiedenen Behörden haben von nun an nur Befehle von mir und dem als königlich preußischen Commissär für die Civilver waltung bestimmten Landrath Freiherrn von Hardenberg anzunehmen und auszuführen. Hiernach befehle ich: 1) Die bisherigen königlich hannoverschen Minister sind ihrer Func tioncn enthoben, mit alleiniger Ausnahme des Ministers des königlichen Hauses. 2) Das Ministerium des Krieges ruht. 3) Die Geschäftsführung: Ä des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten wirb dem Generalfecretär Geheimen Legationsrath Adolf Hartmann, K. des Ministeriums des Innern dem Generalfecretär Geheimen Regierungsrath Heinrichs, «. des Cultusministeriums dem Generalfecretär Geheimen Re gierungsrath Brüel, 6. die Ministerien der Finanzen und des Handels sowie der Justiz dem Generalfecretär des Gcsammtministeriums Geheimen Finanzrath V. Seebach hierdurch übertragen. 4) Die Verwaltung in allen Branchen wird unverändert nach den königt. hannoverschen Gesetzen und Bestimmungen fortgeführt und verblei ben hierzu die Beamten überall in ihren Stellen. 5) Gehalte, Pensionen und etwaige Untcrstützungsgelder werben fort gezahlt. 6) Alle Vergehen gegen die Landesgesetze sind von den betreffenden Behörden selbständig zu erledigen, soweit deren Machtvollkommenheit dazu ausreicht. 7) Anderweitig tritt mit dem heutigen Tage gegen sämmtliche Ein wohner des Königreichs Hannover, sowie gegen alle sich in demselben aufhaltende« Fremden, welche den preußischen Truppen durch eine Ver räthelische Handlung Gefahr oder Nachtheil bereiten, der in den preußi schen Gesetzen vorgesehne außerordentliche Militärgerichtsstand in Kriegszeiten in Kraft. Hauptquartier Hannover, 19. Juni 1866. Der commandirende General. v. Falkenstein." Unter gleichem Datum erschien von demselben General folgende Proklamation, gerichtet an die hannoverschen beurlaubten Mannschaften Nach einer Verordnung der hiesigen Behörden haben sich alle be urlaubten Mannschaften unverzüglich zu ihren resp. Truppentheilen zu be geben. Diese Verordnung setze ich hiermit außer Kraft, mit dem Bemerken, daß diejenigen, welche derselben dennoch Folge geben und demnächst er griffen werden sollten, dem in den preußischen Gesetzen vorgesehenen außer ordentlichen Militärgerichtsstande in Kriegszeiten unterworfen sind. Sie werden demnach als Kriegsgefangene behandelt und in eine preußische Festung abgeführt werden Unter dieselben Gesetze treten auch diejenigen hannoverschen Soldaten, welche sich zur Zeit noch hier oder im Lande aufhalten und auf dem Marsche zu ihren Truppentheilen betroffen werden sollten. Außerdem ist mir mitgetheilt worden, daß versprengte bewaffnete Ab theilungen noch im Lande und sogar unter Mitführung von Geschützen umherziehen sollen. An diese ergeht hiermit die Aufforderung, sich Angesichts dieses bei der königlich preußischen Eommandantur in Hannover zu melden, dort haben sie ihre Waffen abzuliefern und die Mannschaften demnächst ihre Entlassung in die Heimath zu gewärtigen, während den Officicren unter Gewährung des Halbsoldes, gegen Ausstellung eines Reverses, während der Dauer der Feindseligkeiten zwischen Preußen und Hannover sich jeder feindseligen Handlung gegen Preußen zu enthalten, Urlaub gewährt wer den wird. Dieselben Bestimmungen finden auch auf diejenigen Officiere An wendung, welche gegen Ausstellung eines derartigen Reverses bereits ent lassen worden sind. Wer dieser Aufforderung nachzukommen unterläßt, wird bei seiner Festnahme nach denselben Gesetzen, wie die vorgedachtcn, behandelt und in einer preußischen Festung detinirt werden. Hauptquartier Hannover, 19. Juni 1866. Der commandirende General des königlich preußischen 7. Armeecorps, v. Falkenstein, General der Infanterie. Unterm 20. Juni kündigte der zum Civilcommissär bestimmte Frei herr von Hardenberg. bisber Landrath des Mansfelder Saalkreises, den noch in der Hauptstadt verweilenden Ministern an, daß sie ihrer Functionen enthoben seien. Nur der Minister des königlichen Hauses, v. Malortie, blieb in seiner Stellung, weil dessen Ressort zur eigentlichen Staatsverwaltung in keiner Beziehung steht. Die Generalsccretäre der betreffenden Ministerien übernahmen die Leitung der Geschäfte. Bei fortwährendem Zuzug preußischer Truppen mußten die Requisi tionen derselben schwer auf dem Lande lasten. So war den 19. Juni der Stadtverwaltung aufgegeben, binnen 3 Tagen zu liefern: 12000 Ctr. Mehl, 3000 Ctr. lebendes Fleisch, 1000 Wispel Hafer, 3400 Ctr. Heu, 5000 Ctr. Stroh, 700 Ctr Reis, 250 Ctr. Speck, 117 Ctr. gebrannten Kaffee. Die Einfahrt von Roggenbrot und frischem Fleisch wurde frei gegeben. Am 21. Juni verließen der General von Falkenstein und der Oe ucrallieutenant von Manteuffel Hannover und begaben sich zu dem im Süden Hannovers aufgestellten Corps. Zahlreiche Truppcnzüge bewegten sich dahin. Die preußischen Officiere mußten täglich erhalten: Kaffee mit Zuthat; Suppe, Fleisch, Gemüse, Braten und eine Flasche Wein; Kaffee, Abendbrot Die Mannschaften: Kaffee mit Zuthat, 1 Pfund Fleisch, Gemüse und Brot, 1 Schoppen Bier, Abends einen Imbiß. — Die Occuptttion Sachsens und Kurhessens durch die Preußen. Der Besitz des Königreichs Sachsen bildet für die Opeiationspläne feindlicher Armeen eine so günstige Basis, daß die Preußen mit Recht sich beeilten, sich der wichtigen Positionen theilhaftig zu machen, die es gewährt. Allgemein freilich wurde angenommen, ein Theil der österreichi schen Armee werbe dem sächsischen, 40000 Mann starken und zwischen Pirna und Meißen aufgestellten Corps zu Hilfe eilen,- und für den Besitz Dresdens, des Schlüssels zu den Pässen des Erzgebirges, eine Schlacht liefern. Man sollte sich auch hierin getäuscht sehen. Sachsen, Hannover, und Kurhessen baten zwar in Wien und München um militärische Hilfe. Es wurde aber ihnen zur Erwiderung, sie hätten sich vorerst auf die Defensive zu beschränken. In der Nacht vom 15. zum 16 Juni wie während des 16. Juni rückten, die Preußen in Sachsen ein und der König von Sachsen nebst Herrn von Beust und dem Kriegsminister begaben sich zur Armee, die sich bei Pirna concentritte. Der Einmarsch der Preußen fand auf drei Punkten statt, bei Würzen, 6 Stunden entfernt von Leipzig, hei Strehla an der Elbe, unweit Riesa, einem wichtigen Eisenbahnknoten punkte und bei Reichenbach in der Lausitz, zwischen Görlitz und Löbau. Von sächsischen Soldaten wurde die Eisenbahnbrücke bei Niesa gesprengt; dem Feinde war aber die Art der Sprengung in der Weise verrathen worden, daß derselbe sogleich die Ausbesserung des Schadens in Angriff " nahm und w die Eisenbahnstrecke Leipzig-Dresden bald wieder fahrbar machte. Derselbe besetzte den Marktflecken Rirsa und rückte vorsichtig auf Meißen zu. In der Nacht vom 14. zum 15. Juni hatte das letzte sächsische Militär, die 3 Compagnie des 4. Iägcrbataillons, Leipzig verlassen und war mittels Crtrazugs nach Dresden befördert worden. Die Brücke bei Löbau hatten die sich zurückziehenden sächsischen Truppen durch Aufreißen der Schienen unbrauchbar gemacht, die Telegraphenstangen zum Theil ver brannt. Auch zwischen Riesa und Pristewitz waren die Schienen aufge hoben worden. Der Befehlshaber der in Sachsen einrückenden preußischen Armee (der Elbarmee) General von Herwarth marfchirte den 18. Juni direct auf Dresden zu, während eine andere Division von Bischofswerda aus sich nach der Hauptstadt bewegte. Am 19. Juni, Halb5 Uhr Morgens, wurde auchLeipzig von 120 Mann Gardereservisten, welche auf Leiterwagen von Etlenburg ankamen, besetzt. Ihnen folgten bald größere Infanteriemassen und der Stadtbehörde wurde die Besetzung der Stadt officiell angekündigt. Hierauf begab sich. der Commandeur der Truppen auf das Rathhaus und verlangte in der höflichsten Form die Auslieferung der hier befindlichen königlichen Kassen, wurde aber hinsichtlich dieser Forderung an die königliche Behörde ver wiesen. Cin preußisches Commando nahm von den Kasernen im Schlosse Besitz. Der preußische Civilcommissär von Wurmb verlangte auf dem Dresdener Bahnhofe die Herausgabe und Uebcrlassung sämmtlicher Betriebs artikel der Leipzig-Dresdener Eisenbahn an die preußischen Truppen. Man weigerte sich anfangs. Er stellte aber die Anwendung von Gewaltmaß regeln in Aussicht und so fügte sich die Direction nothgedrungen und unter Protest Bereits unterm 16. Juni hatte Prinz Friedrich Karl einen Armee befehl an seine Truppen und eine Bekanntmachung an die Bewohner der sächsischen Lausitz erlassen. Der erstere lautete: Armeebefehl. Hauptquartier Görlitz, 16. Juni 1866. Unser König und Herr hat den Krieg an Sachsen, Hannover und Kurhessen erklärt Der Einmarsch meiner Truppen in das Königreich Sachsen ist heute bereits erfolgt. Wir haben die Einwohner nicht als unsere Feinde zu betrachten und zu behandeln, sondern den Krieg nur gegen eine Regierung zu führen, welche uns denselben durch ihre Feind seligkeit anfgezwungcn hat. Ich erwarte von den Soldaten mit vollem Vertrauen, daß sie, wie immer, so auch jetzt die alte bewährte preußische Mannszucht aufrecht erhalten und dadurch dem Lande, welches wir zu besetzen gezwungen waren, die Lasten des Krieges möglichst erleichtern werden. Jedes Privateigenthum ist streng zu schonen, Staatseigenthum allein ist mit Beschlag zu belegen. Sollten unS auf sächsischem Gebiete österreichische Truppen entgegentreten, so sind dieselben zum Abzug auf zufordern, erst im Weigerungsfälle sind dieselben als Feinde zu behandeln. Vorwärts denn, Kameraden, mit unserm alten Wahlspruch: "Mit Gott für König und Vaterland!" und mit dem Schlachtruf: "Es lebe der König !" Der General der Kavallerie. Friedrich Karl. Das Dresdner Journal brachte unter demselben Datum folgende Verordnung des Königs von Sachsen: Wir, Johann, von Gottes Gnaden König von Sachsen ?c. Urkunden hiermit und bekennen: Zur Verwaltung des Landes in unserm Namen und Fortführung der vorkommenden Regierungsgeschäfte während unserer durch die politi schen Verhältnisse nothwendig gewordenen Abwesenheit von unserer Residenz setzen wir. in Gcmäßheit §. 9 der Verfassungsurkunde vom 4. September 1831, eine Landescommission nieder, zu deren Mitgliedern wir die Staats minister Johann Paul Freiherr von Falkenstein, Richard Freiherr von Friesen und Dr. Robert Schneider, sowie den Generallieutenant der Rei terei und Oberstallmeister a. D. Karl August Marimilian von Engel ernennen. Dresden, 16. Juni 1866. (I.. 8.) Johann. Friedrich Ferdinand Freiherr v. Beust. Bernhard von Rabenhorst. Johann Paul Freiherr von Falkenstein. Richard Freiherr von Friesen. Dr. Robert Schneider. Am 18. Juni Mittags halb 12 Uhr erreichte die Avantgarde der Elb armee des ganzen Eorps die Residenz Dresden. Der Einmarsch dauerte von Mittag bis Abend ununterbrochen fort und die Truppen wurden theils in den Kasernen, theils in Privathäusern einquartirt. In der katholischen Hofkirche wurde für die Mannschaften katholischer Confession eine zahlreich besuchte Messe gehalten. Eine Commission höherer preußi scher Eisenbahnbeamten übernahm den Betrieb der sächsischen Staatseisen bahnen, sowie die Controle der Leipzig-Dresdener Privatbahn. Auch die Feldeisenbahnabthcilung der Armee des Generals von Herwarth rückte in Dresden ein; diejenige der Armee des Prinzen Friedrich Kar! war am Tage vorher schon bei Bautzen angekommen und hatte die gestörte Strecke von Görlitz ab Bautzen wieder fahrbar gemacht. Pie Bevölkerung ver hielt sich ernst, doch ruhig; die in der sächsischen Hauptstadt anwesenden preußischen Familien flaggten zum Theil. Zum Stadtcommandanten von Leipzig wurde Hauptmann Knesebeck er nannt. Derselbe richtete sogleich für die Presse nach preußischem Muster eine Ueberwachung ein, nach welcher von jeder Zeitung ein Pflichtercmplar bei dem Polizeiamt hinterlegt werden muß. Auf das Gerücht, die Uni versität solle geschlossen werden, beeilte sich Herr von Knesebeck den Stadt rath in Kenntniß zu setzen, daß er diese Maßrege! für unnöthig und durch nichts begründet finde, Lehrer und Studirende könnten ruhig ihren Ar beiten obliegen. Am Abend beS 19. Juni wurde dem Verleger der "Leipziger Abend-« post" durch einen Officier eröffnet, daß sein Blatt von jetzt an nicht mehr erscheinen dürfe; er sei mit seiner Person und seinem Vermögen für Be folgung dieser Anordnung Bürge. In Dresden ließ der preußische Civilcommissär den dortigen Zcitungsredactioneu mittheilen, es würden keinerlei beschränkende Maßregeln wider die Presse beabsichtigt; thatsächliche Nachrichten könnten objectiv mitgetheilt werden; aber preußcnfeindliche Raisonnements seien zu vermeiden und würden Zuwiderhandlungen sofortige Suspendirung des Blattes und resp. Schließung der Druckerei nach sich liefen Am 21. Juni hatten die sächsischen Truppen das Heimathsland voll ständig geräumt und sich, zum Anschluß an das österreichische Heer, nach Böhmen zurückgezogen. Nur der Königftein behielt seine Besatzung und hat sie bis heute noch, da ein Angriff der Preußen auf diese Festung bis jetzt noch nicht unternommen worden sein soll. In dieser Zeit munkelte man in Dresden von gewaltsamer Fouragi rung preußischer Soldaten. In den Kaufläden seien Lebensmittcl, Tabak, Cigarren, Getränke u. s. w. ohne Weiteres unter Androhung von Gewalt für den Fall der Verweigerung, in Beschlag genommen und abgeführt worden; in Familienwohnungen seien Soldaten eingedrungen, hätten die Vorrathsräume und Keller durchsucht und mit fortgenommen, was sie dort an Brot, Fleisch «. gefunden. Das "Dresdner Journal" schreibt darüber unterm 21. Juni: "Wir haben es uns angelegen sein lassen, nach besten Kräften über diese Angelegenheit Erkundigungen einzuziehen und es hat sich ergeben, daß, soviel wir zu ermitteln vermochten, jene Gerüchte doch vielfach übertrieben worden sind. Es sind allerdings Requisitionen von Lebensmitteln und andern Verpflcgungsgegenständen, Tabak :c., bei Kauf läden und in Verkaufsstätten ausgeführt worden und ist dies leider auch in einzelnen Fällen (wie z. B. bei dem Kaufmann May in der Secstraße) in einer nicht eben humanen Weise geschehen. Andererseits wird aber bestätigt, daß über das Benehmen des requirirenden Militärs im Allge meinen nicht zu klagen gewesen, auch meistentheils über die entnommenen Gegenstände Quittung gegeben worden ist. Privatpersonen, denen ihr Eigenthum gewaltsam weggenommen worden wäre, sind von uns nicht zu ermitteln gewesen. Wohl aber wurde uns von mehren Seiten ver sichert, daß die in Privathäusern bei verschiedenen Familien erschienenen Soldaten in der höflichsten Weise "im Auftrage ihres Commandanten" um Abgabe einiger Lebensmittel nachgesucht, wo sie dieselben erhalten, sie mit Dank entgegengenommen, und wo ihnen nichts verabfolgt werden konnte, sich ohne jede Drohung entfernt haben." Einige Tage hindurch hielten die Geschäftsleute in der Residenz ihre Lüden geschlossen, ja auch der Schulbesuch war, aus Furcht eines etwai gen Zusammenstoßes der Oesterreicher und Preußen in den Straßen der Stadt, auf einige Zeit suspendirt. Behufs Befestigung des militärisch so wichtigen Punktes wurden Schanzen in Angriff genommen und machte aus die Bevölkerung die dadurch nothwendig gewordene theilweise Zer störung des "großen Gartens" einen sehr schmerzlichen Eindruck. Die Preise der Lebensbedürfnisse stiegen zu einer fast unerschwinglichen Höhe und der Umstand, daß dies Jahr die zahlreichen Fremden, die sich Dresden zum Sommeraufenthalt wählen, ausblieb-n, drückte sehr start auf HauS eigenthümer und Vermiether besonders in den südlichen Stadttheilen. Unterm 25. Juni enthält das Dresdener Journal eine Bekanntmachung des Militärgouverneurs von Sachsen, Generallieutenants von der Mülbe, nach welcher das Königreich Sachsen in Kriegszustand erklärt wird. Die sächsische Landescommission erließ deshalb folgende Bekanntmachung an die Bevölkerung: "Von dem königlich preußischen Herrn Militärgouverneur von Sach sen ist heute der Kriegszustand im gefammten Königreich proclamirt wor den. Diese Maßregel ist nach der uns von dem königlich preußischen Civilcommissär, Herrn Landrath von Wurmb, ertheilten Versicherung nicht durch besondere Vorkommnisse im Lande herbeigeführt worden, sondern eine Folge der Occupation deS Landes durch preußische Truppen und auS militärischen Rücksichten nothwendig. Wir fordern daher die Bewohner aller Landestheile, mögen die letz teren zur Zeit von preußischen Truppen besetzt sein oder nicht, hierdurch auf, sich der verhangenen Maßregel mit Ruhe und Ergebung zu fügen und Alles zu vermeiden, was nach derselben zu einem Einschreiten der Militärgewalt Anlaß geben könnte. In Folge eines besonderen Antrages des folglich preußischen Herrn CivilcommissärS machen wir noch darauf aufmerksam, daß auch sächsische Militärpflichtige, welche sich etwa noch zur Armee begeben, und sächsische Beamte, welche ihnen hierbei behülflich sind, oder die zur Ueberweisung von Kriegsreservisten vorgeschriebenen amtlichen Schritte thun, sich hier durch nach der Auffassung der königlich preußischen Militärbehörden eines standrechtlich zu bestrafenden Vergehens schuldig machen. Sachsen! Es ist eine traurige Pflicht, welche wir mit dieser Be kanntmachung erfüllen, wir müssen sie aber erfüllen, um großes Unglück von Einzelnen und von dem ganzen Lande abzuwenden. Ruhige Ergebung in daS zur Zeit Unvermeidliche ist das Einzige, was wir Euch jetzt empfehlen können." Vom 25. Juni an wurden alle früher von sächsischen Truppen be setzten Wachtposten in Dresden, nach einem Uebereinkommen der preußi schen Commandantur mit der Polizeidirection, von preußischen Truppen bezogen. Von Anbruch der Dunkelheit an sollten die Umgegend Patrouillen durchstreifen, zum Schutze des Eigenthums und der persönlichen Sicher heit der Landleute. Die Schützengildcn und die Militärveteranen-Vercine, und die Turnerfeuerwehr, die bis dahin als Schutzmannschaft fungirten, waren dieser Obliegenheit entlassen worden. Die Fahrten der Tharanter Bahn mußten eingestellt werden Jeder Einwohner mußte mit einem Passagierschein sich versehen, wenn er das Weichbild der Stadt verlassen wollte. In Bautzen wurde folgendes Plakat des preußischen Stadtcomman danten an den Straßenecken angeheftet: Von heute Abend 5 Uhr ab geht Niemand mehr über die Vorposten, Niemand wird mehr eingelassen außer unter Militärescorte. Die Com munalgarde, Schützenvereine und übrigen Bewohner des Ortes liefern bis Nachmittag 2 Uhr Waffen aller Art und Munition ab, und werben dieselben vor dem Taucherkirchhof abgenommen. Werben dergleichen irgendwie verborgen gehalten und entdeckt, wird der Betreffende arretirt und vor ein Kriegsgericht gestellt. Jeder mit Waffen in der Hand be troffene Nichtmilitär oder zur Führung derselben berechtigte königliche Beamte wird, wenn er von seinen Waffen Gebrauch macht, sofort er schossen. Jedes Haus, aus dem auf meine Leute geschossen worden, wirb unbedingt demolirt, eventuell eingeäschert. Ich warne sämmtliche Ein wohner, sich persönlich und die gelämmte Stadt vor Schaden zu hüten, der jedem Entgegentreten unbedingt folgen wird. Im Fall eines AlarmS verbleibt alles in den Häuftrn, und während der Dunkelheit sind Lichte an die Fenster des Parterre zu setzen und da, wo dies durch Läden aus gefüllt, in die Beietage. Das Gas in den Straßen ist von Abends 9 bis Morgens 3 Uhr in Brand zu erhalten. Bautzen, 21. Juni 1866. von Böse, Generalmajor und Commandant beS Orts. In Leipzig aber erließ die preußische Commandantui folgende Be kanntmachung : Mehre Unterbeamte hiesiger Polizeiverwaltung haben sich der Aus führung von Recherchen unterzogen behufs Ermittelung von HeercSpftich« tigen für die königlich sächsische Armee und haben über das Ergebniß amtlich berichtet. Einige Localblätter enthalten Aufforderungen zur An meldung von Stellvertretern für den Militärdienst. Dergleichen und andere der königlich preußischen Regierung feindliche Handlungen ziehen die Verhaftung und Abführung der Betheiligten nach einer preußischen Festung nach sich, wo. sie kricgsrechtlich beurtheilt werden. Die Unter drückung der betreffenden Blätter ist von selbst verständlich, was hierdurch zur Kenntniß gebracht wird Leipzig, 24. Juni 1866. Königlich preußische Kommandantur. von GliSczinsti, Genemllicutenant. Die Verpflegungsquantitäten der Quarticrgeber den Truppen gegen über, wurden in der Folge bedeutend erhöht. Officiere, Fähnriche, Feldwebel und Officieidienst leistende Untcrofficiere müssen zum Mittagbrot Suppe, Fleisch und Gemüse, außerdem Braten und eine Flasche Wein, die übrigen Mannschaften «/. Pfund Fleisch (statt 15 Loth) oder «/« Pfund Speck, (statt 7V2 Loth) >/l2 Quart Branntwein und 2 Pfund Brot erhalten. Dem Kurfürsten von Hessen-Cassel wurden von Seiten der preußischen Regierung wiederholt die dringendsten Vorstellungen gemacht, er möge die Vorschläge derselben annehmen. In der Stände Versammlung deS Kur« fürstenthums wurde am 15. Juni nach dreistündiger heftiger Debatte ein von Bischoffshausen gestellter Antrag mit 35 gegen 14 Stimmen an genommen. Derselbe lautete: Die Etündeversammlung fordert unter Bezugnahme auf die gestrige Abstimmung im Bundestage die Regierung auf, unverzüglich zu der vom ganzen Lande gutgeheißenen neutralen Haltung zurückzukehren und die Mobitisirung der Truppen nicht auszuführen. Die Etändrversanunlung verbindet hiermit die Erklärung, daß sie die Gelder für die Mobilmachung so lange ablehnen würde, als nicht nach gewiesen sei, daß der Zweck derselben dem Landcsinteresse völlig entspreche. Im Falle das gegenwärtige Verlangen nicht beachtet würde, macht die Ständeversammlung die Regierung für alle schweren Folgen verantwortlich. Als Antwort daraus bereitete der Kurfürst seine Abreise nach dem Süden vor; Silber und andere Wertsachen wurden fortgeschafft. Am 16. Juni reiste der preußische Gesandte ab und das hessische Militär erhielt Befehle, sich in seiner Friedensformation zum Abmarsch bereit zu halten. Der kurhessische Gesandte verließ Berlin. Die Eisenbahnverbindungen und Telegraphenlinien wurden nach Außen hin unterbrochen. Das Publlcum verhielt sich ruhig, doch wurden in der Hauptstadt aus Vor sorge durch Militär einige Straßen abgesperrt. Den Staatsschatz be wachten eine Anzahl entschlossener Bürger. Schon waren die Preußen von Wehlctr aus in Gießen, also in dem nördlichen Theil des Groß herzogthums Hessen-Darmstadt, eingerückt und es wurde preußischerseitS ein Ertrazug von Gießen nach Marburg bestellt.- Diese Nachrichten ver ursachten in Kassel eine unbeschreibliche Aufregung und veranlaßten den sofortigen Transport der kurhessischcn Truppen über Bebra und Hersfeld per Eisenbahn und von da weiter angeblich nach Fulda. In Folge des Bundesbeschlusses war zwar die Mobilmachung angeordnet, aber noch nicht in den ersten Anfängen ausgeführt. In höchster Eile wurde, als Befehl zum Marsch eintraf, gepackt und verladen, ja der nothwendige Train mußte zum größten Theile durch rcquirirte Bauernpferde bis zur Eisenbahn geschafft werden. Der Bahnhof wurde abgesperrt und auch das preußische Telegraphenbüreau auf kurfürstlichen Befehl aufgehoben und militärisch besetzt. Auch die Eisenbahn-Büreaur wurden geräumt und sämmtliche Utensilien, Billetschränke :c. beseitigt. Die Post erhielt keine Sendungen mehr, nahm auch keine Briefe mehr an. Die Bestellung auf Ertrapost wurde abgelehnt. Gegen Abend wurde auch daS hannoversche Telegraphenamt geschloffen. Von Seiten des kommandirenden Generals der preußischen Truppen wurde im Kurfürstenthum folgende Proklamation verbleitet "Hessische Brüder! Auf Befehl meines Königs und Herrn bin ich mit einem preußischen Corps heute in Eure Lande eingerückt, nachdem Eure Regierung in beklagenswerther Verblendung es verschmäht hat, im friedlichen Bunde mit Preußen für unser gemeinsames deutsches Vater land eine Organisation zu schaffen, welche den gerechten Forderungen deS deutschen Volkes entspricht. Kaum hat ein anderer Bolksstamm so schwer unter der Zerfahrenheit unserer deutlchen Zustände zu leiden gehabt, wie Ihr! Wir wissen, daß Ihr Euch deshalb nach glücklicheren Tagen sehnt, und kommen zu Euch, nicht als Feinde und Eroberer, sondern um Euch die deutsche Bruderhand zu reichen! Nehmt sie an und folgt nicht länger der Stimme derer, die Euch mit Uns verfeinden möchten, weil sie *l*rin Herz für Euer Wohl und Deutschlands Ehre haben! Nur den, der zwischen Euch und uns sich stellt, betrachten wir als unseren Feind. Ich würde jeden Versuch des Widerstandes mit dem Schwerte in her Hand brechen, aber auch jeden Tropfen so vergossenen Blutes schwer beklagen. Ich fordere alle Behörden auf, auf ihrem Posten zu verbleiben und ihre Geschäfte, wie bisher, fortzuführen. Den friedlichen Bürgern verspreche ich Schutz in ihrem Eigenthum. Der Verkehr wird im Lande frei bleiben, so weit dies ohne Beeinträchtigung der militärischen Interessen möglich ist. Dagegen erwarte ich, überall bereitwilliges Entgegenkommen zu fin den, wo ich im Interesse meiner Truppen und zur Erfüllung der mir gestellten Aufgabe die Hülfe des Landes in Anspruch nehmen muß. Hessische Brüder ! Preußens Volk, geschaart um Preußens König, setzt seine höchsten G ter ein für deutsches Recht und Deutschlands Macht. Auf! zeigt auch Ihr, daß echtes deutsches Blut in Euren Adern rollt!" Am 16. Juni 1866. Der königlich preußische General, von Veyer. Unterdessen verbreitete sich bereits am 16. Juni in Hanau das Gerücht, die Landeshauptstadt Kassel sei von den Preußen beseht worden, und der Kurfürst habe mit den Truppen das Land verlassen. Jede telegraphische Verbindung war unterbrochen. Aber erst am 18. Juni erfolgte der Ein marsch der Preußen in diese alte Hessenstadt. Bis dahin waren die er forderlichen Nachtdienste in den Gefängniß- und Kassenlokalen :c. von den Turnern und Schützen übernommen worden. Während dem hielt sich der Kurfürst noch in seinem Lustschlosse Wilhelmshöhe, 2 Stunden von Kassel, auf. Am 21. Juni wurde vom preußischen Höchstcommandirenden eine Art Ministerium eingesetzt, indem er, nach Entfernung der Minister, dir bisherigen Referenten zur Fortführung der Geschäfte beauftragte. Die vormaligen Minister fügten sich den ergangenen Verboten, nur der Kriegs minister von Meyerfeld, der eine Art Urfehde gegen Preußen geloben sollte, weigerte sich und wurde nach der Festung Minden abgeführt. Der Kurfürst wurde auf Wilhelmshöhe scharf bewacht doch hoffte man noch immer auf eine Verständigung zwischen ihm und der preußischen Regierung. Diese Hoffnung ging aber nicht in Erfüllung. Vielmehr wurde der Fürst am 23. Iuui als Staatsgefangener nach Stettin abgeführt. Zu seiner Bedienung gingen dahin ein Leibjäger, zwei Lakaien und die Küche ab. Die Reil'e ging über Hamm, Minden, Braunschwcig und Berlin nach der Hauptstadt Pommerns. Im südlichen Theile des Kurstaates wurde von Seiten der Provin zialregierung zu Hanau folgende Bekanntmachung erlassen: Dem Vernehmen nach sollen in den von den Preußischen Truppen occupirten Theilen des Kurstaates Proclamationen und Ausschreiben der von den Occupationstruppen eingesetzten Commissare «. erlassen werden. Der commcmdirende General der kurhessischen Truppen hat sich hierdurch zu der Eröffnung veranlaßt gesehen, daß er keine Kundgebung, welche gegen die legitime Autorität Sr. Königlichen Hoheit des Kurfürsten unseres allerdurchlauchtigsten Landesherr«, gerichtet ist, dulden werde. Indem wir dieS mit dem Bemerken, daß wir an die uns untergebenen Behörden daS Nöthige erlassen haben, hiermit zur öffentlichen Kenntniß bringen, hegen wir zu dem Patriotismus der Bewohner der Provinz Hanau daS Vertrauen, daß sie die ihrem Fürsten und Vaterlande gelobte Treue standhaft bewahren, die Anordnungen der legalen Behörden gegen etwaige feindliche Eingriffe bereitwillig unterstützen und dem Waffenerfolge der zur Befreiung unseres bedrängten Vaterlandes herbeigeeilten Truppen unseres Heimathlanbcs und der übrigen bundeslreuen Staaten mit Ver- trauen und Zuversicht entgegengesehen weiden. Hanau, am 23. Juni 1866. Kurfürstliche Regierung der Provinz Hanau. Sunkel. In Kassel war am 21. Juni dagegen folgende Verkündigung an den Straßenecken angeklebt worden: An das kurhessische Volk! In Folge des zwischen Preußen und dem Kurfürstenthum Hessen ausgebrochenen Krieges ist die Occupation des Kurfürstenthums durch die unter meinem Befehle stehenden Truppen vollzogen worden. Damit ist die Autorität des Kurfürsten suspcndirt. Die Minister des Kurfürsten, welche daS feindliche Verhalten gegen Preußen angcrathen, habe ich ihrer Functionen enthoben und ihnen jede Amtshandlung untersagt. Einstweilen wird die Regierung des Landes von mir im Namen Sr. Majestät des Königs von Preußen geführt werden, DaS Staatsvermögcn wie das der Privaten wird gewissenhaft geachtet werden. Kurhesscn! Bereits habe ich Euch für die herzliche Aufnahme, für die gute Verpflegung, welche meine Truppen überall bei Euch gefunden, für die Bereitwilligkeit, mit der Ihr den unvermeidlichen Requisitionen entgegengekommen seid, meinen Dank zu sagen. Ich erfülle gern diese Pflicht. Eure Biederkeit und Loyalität sind in den schwersten Prüfungen bewährt gefunden worden. Ihr werdet auch der unter meiner Autorität eingesetzten einstweiligen Landesverwaltung durch Eure loyale Haltung ihre schwierigen Aufgaben erleichtern. Ich ertheile die bestimmte Zusicherung, daß die Verfassung und die rechtmäßigen Landesgesetze des Kurstaates beobachtet und aufrecht erhalten werden sollen, soweit der Kriegszustand irgend zuläßt und die auch von der Landesvertretung Kurhessens beständig erstrebte bundesstaatliche Eini gung Deutschlands nicht Aenderungen erfordern sollte. Ich übernehme die in der Vcrfassungsurkunde den einzelnen Mini sterien zugewiesenen Befugnisse, indem ich mir vorbehalte, kurhessische Staatsbeamte mit der verfassungsmäßigen Fortführung der laufenden Geschäfte in der Verwaltung der Justiz, des Innern und der Finanzen zu beauftragen. Der Gang der Verwaltung wird ungestört erhalten werben, wenn die Beamten der Landescollegien, deren Mitglieder und alle sonstigen Beamten und Diener meinen Verfügungen wie den Anordnungen der von mir mit der Fortführung der Geschäfte beauftragten Beamten willig Folge leisten. Erfüllt sich diese Hoffnung, so wird es leicht sein, die Lasten des Kriegszustandes, welche zunächst Einzelnen auferlegt werden mußten, unter Heranziehung der Revenüen des Kurfürsten auszugleichen, so wird es möglich sein, trotz der obwaltenden Verhältnisse dem Lande wesentliche Erleichterungen und wünschenswerthe Verbesserungen zu schaffen. Ich werde die zu baldiger Beseitigung der noch bestehenden proviso rischen Gesetze und verfassungswidrigen Verordnungen, sowie alle zu voller Herstellung des verfassungsmäßigen Rechtszustandes erforderlichen Einlei tungen treffen. Ich werde es mir angelegen sein lassen, für die. Aus- füllung empfindlicher Lücken in der Gesetzgebung, welche den wirthschaft lichen Fortschritt des Landes nur zu lange zurückgehalten haben, Sorge zu tragen, und die der Pflege der Volksbildung und der Wissenschaft be stimmten Anstalten nach Kräften zu fördern bemüht sein. Bei gegenseitigem Vertrauen wird es unserem vereinten Streben, ich zweifle nicht daran, gelingen, bessere Zustünde und hellere Tage für das kurhessische Land herbeizuführen. Ich zähle auf Euch, wie Ihr mir vertrauen dürft! Kassel, 21. Juni 1866. Der Generalmajor und Commandeur der preußischen Truppen in Kurhessen. v. Beyer. DaS muß man sagen, die Preußen wissen energisch zu Werke zu gehen. Seit 30 Jahren hatten die Kasseler Bürger die Regierung um Nieder« reißung des holländischen Thores gebeten. Immer erfolglos. Auf Re quisition des preußischen Civilcommissärs mußte aber am 22. Juni die Stadt die Werkzeuge stellen, mittels deren die preußischen Soldaten dieses Thor in kurzer Zeit rasirten. Ueber die näheren Umstände bei der Abreise deS Kurfürsten aus seinem Lande erzählt man sich Folgendes: Am 23. Juni Abends 7 Uhr wurde er, begleitet von den preußischen Osficieren von Legat und von Griesheim, per Wagen in Gesellschaft von 31 Personen seines Gefolges, Lakaien, nach Münchehof gebracht, um von dort per Eisenbahn seine Reise nach Stettin anzutreten. Gegen 5 Uhr war er geneigt, zu unterhandeln. Herr von Reeder bedeutete ihm jedoch, eS sei nun zu spät und er müsse abreisen. Ruhig und gefaßt trat er die Reise in Civil an. Die Hofbediensteten hatten sich am Ausgange des Schlosses in Wilhelmshöhe versammelt und brachten ihm ein Vivat. Er sprach noch mit einigen derselben und fuhr dann ab. Außer den un vermeidlichen Unbequemlichkeiten, die aus der nothwendigen Abschließung jeglichen Verkehrs auf Wilhelmshöhe hervorgingen, ging alles ganz um sichtSvoll und ordnungsmäßig her. Mit Rücksicht auf die in Stettin herrschende Cholera hatte der König von Preußen dem Kurfürsten die Wahl zwischen den Schlössern von Stettin und Königsberg gelassen. Der Kurfürst entschied sich für Stettin. Im königlichen Schlosse daselbst waren für den Kurfürsten einige Zimmer hergerichtet und soll er mit der Achtung behandelt werden, die einem souveränen Fürsten gebührt. Vor seiner Abführung erließ der gebeugte Fürst folgende Proklamation "An mein getreues Volk! Im Begriff, in die über mich verhängte Kriegsgefangenschaft inS Ausland abgeführt zu werden, ist es meinem landesväterlichen Herzen Bedürfniß, meinen treuen Unterthanen noch diesen Scheibegruß zuzuwfen. Möge der allmächtige Gott mein Volk in seinen väterlichen Schutz nehmen und die gegenwärtige, über dasselbe, sowie über mich selbst und mein Haus verhängte Trübsal mir und meinem Volt zur Läuterung und zum Frieden dienen lassen! Zugleich richte ich, indem ich jetzt das Land meiner Väter zu verlassen genöthigt werde, an alle in den dermalen occupirten Landestheilen bestellten Beamten und Diener die Aufforderung, die ihren bisherigen Amtsverhältnissen entsprechenden Functionen, auf Grund ihres bestehenden Diensteides und vorbehaltlich der mir zu bewahrenden Unter thanentreue, fortzuführen, als wodurch unter allen Umständen dem wahren Landesrecht am besten entsprochen und gleichzeitig allen etwaigen Gewissens bedrängnissen vorgebeugt wird. Gott schenke uns bald wieder bessere Tage! Gegeben, Wilhelmshöhe, 23. Juni 1866. Friedlich Wilhelm." Die kurfürstlichen Truppen wurden unter das Obercommando des Prinzen Alerander von Hessen (Befehlshabers der Reichsarmee) gestellt. Das Geschick der hannoverschen Armee im Feldzuge des Jahres l866. Als die Preußen, ohne auf Widerstand zu stoßen, das hannoversche Land besetzten, zog sich die Armee (20000 Mann stark), zu der sich auch König Georg und der Kronprinz begaben, zunächst nach Göttingen zurück, um jedenfalls von dort aus eine Vereinigung mit den Baiern, auf deren Unterstützung man rechnen mußte, zu erstreben. Dunkel und verworren lauteten die Gerüchte von dem Marsche der tapfern Schaar nach dem Süden. Bald sollte sie sich durchgeschlichen, bald sich durchgeschlagen, bald tapitutirt haben. Unterdessen wurde es bekannt, daß die Preußen Kurhessen besetzt hätten. Wollten die Baiern zur Rettung der Hanno veraner herbeieilen, so mußten sie in Eilmärschen nach Hessen ziehen und sich mit den Preußen schlagen. Der König sandte mehrere Personen ins baiersche Hauptquartier, Einen dieser Abgesandten soll der Oberbefehls haber gefragt haben: "Wie stark ist Ihre Armee?" ""19000 Mann."" "Nun," war die Antwort, "bann kann sie sich wohl allein durchschlagen. Der Generallieutenant Aleranber von Arentsschild, der Ober befehlshaber der Hannoveraner, beschloß nun, den Durchzug durch die preußische Provinz Sachsen und Thüringen zu versuchen. Zunächst mar schirte er auf Heiligenstadt, dann nach Mühlhauscn. Die tapferen Truppen hatten nicht einmal hinreichende Nahrung. Von Mühlhausen wendete man sich nach Eisenach Hier mußte der Oberbefehlshaber über die Anzahl der preußischen Truppen in dieser Stadt falsch berichtet worden sein; denn ein Fähndrich der Armee erzählte Schreiber dieses, daß die Armee mit höchstem Unmuth den Befehl vernahm, statt Eisenach zu stürmen, wo nur 2000 Preußen lagen, nach Langensalza aufzubrechen. So war man nun schon mehrere Tage marschirt, von Verrath umgeben, ohne hinreichenden Proviant, sehnsüchtig der baierschen Hülfe erharrend! Die Preußen begannen das unglückliche Heer von allen Seiten einzu schließen. Sowohl die Werraübergängc, als auch Eisenach und Gotha, waren schon am 21. Juni besetzt worden. Von Erfurt aus meldete man, die hannoversche Armee sei von Göttingen ad wahrscheinlich fächer förmig aufgelöst worden, um zwischen Weimar und Eisenach nach dem Süden zu entkommen. Die hannoversche Armee sei gefechtsunfähig, da sie keine Munition besitze. Nach anderen Nachrichten sollte jeder Soldat nur mit sechs Patronen versehen sein. Von 3 Uhr Nachmittags, 24. Juni, bis früh 8 Uhr, den 25. Juni wurde ein Waffenstillstand abgeschlossen. Die Bemühungen, den König von Hannover zum Abschluß einer Capi tulation zu bewegen, blieben erfolglos, weil derselbe freien Abzug der Armee nach Baiern verlangte, um mit derselben an der Seite Oesterreichs gegen Italien zu kämpfen. Plänkeleien fanden da und dort statt. So wurde einmal eine preußische Dragonerabtheilung, die sich dem hannover- schen Corps näherte, von einer Cavallerieabtheilung desselben verfolgt und verlor einen Tobten und mehrere Gefangene, welche indessen ihre Freiheit wieder erhielten. Die Preußen zogen indessen immer engere Linien um die vergeblich auf Hülfe hoffenden Bundestruppen Da wurde telegraphisch von Nordhausen und sodann von Gotha aus, am 28, Juni, Folgendes gemeldet: "Gestern Vormittag ist es zwischen den Preußen und Hannoveranern bei Langensalza, Merrsleben und an dcr Unstrut zum Kampfe gekommen," "General Fließ hat gestern mit 6000 Mann die Hannoveraner bei Langensalza angegriffen, um ihnen den Abzug südwärts zu versperren Die letzteren zählten 20000 Mann und waren an Artillerie und Cavallerie den Preußen weit überlegen, welche, obschon tapfer kämpfend, erhebliche Verluste erlitten. General Fließ nahm nach Erreichung seines strategischen Zweckes südlich von Langensalza seine alte Stellung wieder ein. Die Hannoveraner scheinen nordwärts von Langensalza und Mühlhausen auf Sondershausen zu mari'chiren," Diese letztere Depesche klang denn doch ein wenig seltsam und erregte gerechtes Befremden. Man fragte sich, aus welchem Grunde General Fließ mit 6000 Mann 20000 angegriffen habe, da man doch nicht an nehmen konnte, er verachte das hannoversche Heer so sehr, daß er selbst bei solcher Uebermacht den Sieg hoffe. Die Hannoveraner haben sich in vielen Feldzügen mit Ruhm bedeckt. Und welches war der strategische Zweck des preußischen Generals gewesen, wenn er denselben dadurch er reicht hatte, baß er seine alten Stellungen wieder einnahm? Die Sachen waren auch wirklich anders. Die Preußen, an Zahl nicht um 2000 schwächer als die Hannoveraner, deren ganze Armee nicht einmal inS Feuer kam, obschon sie wiederum eine fast fcstungsartige Stellung auf dem Merrlcbener Kirchberge einnahm, waren besiegt worden und nur der Uebermacht, welche sie nach der Niederlage durch schnell herbeigerufenen Succurs entfalteten, wie der gänzlichen Erschöpfung der hannoverschen Braven, die seit 5 Tagen und Nächten am Nothwendigsten Mangel ge litten, war es zuzuschreiben, daß der König Georg am andern Tage sich zur Eapitulation entschloß. Die Wahrheit muß unter allen Umständen aufrecht erhalten werden. So viel steht aber fest: Beide Theile haben mit Löwenmuth gekämpft, deutsche Brüder gegen deutsche Brüder im rasenden Streite furchtbar gewüthet. Langensalza wurde von den Preußen genommen, aber wieber verloren. Den ersten Angriff unternahm eine Abtheilung Koburg-Gothaer, unter Leitung ihres Herzogs, Ernst, selbst. Sie litten entsetzlich. Die von Gotha heranrückenden Preußen und Gothaer waren bereits gegen 10 Uhr früh, am 27. Juni, auf die Vor posten der Feinde gestoßen, etwa eine Stunde südlich von Langensalza. Der Kampf selbst aber entwickelte sich erst bei Langensalza und die Han noveraner zogen sich zunächst von der Stadt zurück, um ihre starke Stel lung auf dem Kirchberge bei Merrlebcn zu behaupten. Der Kampf wogte mit Erbitterung bis Nachmittags 4 V*, Uhr hin und her und die Preußen zogen sich mit bedeutendem Verluste und unter Zurücklassitng zweier Kanonen, deren Kanoniere sämmtlich gefallen waren, auf Gotha zurück. Hart ging es an einer Brücke über die Unstrut her, welche die Preußen beseht hatten. Die Hannoveraner aber wateten und schwammen durch den Fluß und drangen vor. Der preußische Verlust an Tobten und Verwundeten betrug etwa 1400 Mann, an Gefangenen 879 Mann; die Hannoveraner verloren an Todten und Verwundeten 1393 Mann; vermißt wurden am Tage nach der Schlacht 812 Unterofficiere und Mannschaften. Von hannoverscher Seite hatten 22 Officiere den Helden tod gefunden. Von den Vermißten kehrten Viele, zum Theil verwundet, zurück. Die härtesten Kämpfe entwickelten sich, als die Cambridge- Dragoner die preußischen und gothaischen CarreS zu sprengen versuchten, was ihnen bei einigen, doch nicht bei allen gelang. Den preußischen Truppen kostete der vergebliche Sturm auf den befestigten Kirchberg die meisten Opfer. Besonders, litten das 20, Lanbwehrregiment und das Ersatzbataillon des 26. Die Gefangenen wurden vom Könige Georg in der Capitulation natürlich freigelassen. Am 28. Juni telegraphirte General Fließ an den König von Preußen wie folgt: An Se. Majestät den König. Der hannoversche General Arentsschild ist von Sr. Majestät dem König von Hannover mit Vollmacht versehen, das Schicksal der königlich hannoverschen Truppen der Verfügung Ew. Majestät dahin zu unter breiten, daß Allerhöchstdieselben über die Bedingungen einer Capitulation verfügen mögen. — Bis zu Ew. Majestät Verfügung wird Waffenstill stand vorgeschlagen; hannoverscherseits kein Widerstand geleistet; Verab redung über Quartier nördlich Langensalza getroffen. Hauptquartier Warza, 28. Juni 1866, Abends 5>/*i Uhr. Fließ, Generalmajor. Am 29. früh «gab sich die hannoversche Armee, rings von der Preußischen Uebermacht eingeschlossen. — General von Falkenstein erließ an den Bürgermeister von Göttingen folgendes Telegramm: "Ich fordere die Bewohner Göttingens auf, der hannoverschen Armee, welche große Noth leidet, mit Lebensmitteln und Erfrischungen zu Hülfe zu kommen. Dieselbe trifft ein am 30. Juni in Mühlhausen, am 1. Juli in Heiligenstabt, am 2. Juli in Göttingen." Diesem Telegramme nach war also die Kapitulation wirklich ein getroffen und hatte dieselbe unter folgenden Bedingungen stattgefunden: "a. Sr. Majestät der König von Hannover mit Sr. Königlichen Hoheit dem Kronprinzen und beliebig auszuwählendem Gefolge nehmen ihren Aufenthalt nach freier Wahl außerhalb beS Königreichs Hannover. Sr. Majestät Privatvermögen bleibt zu dessen Verfügung. "d. Offiziere und Beamte der hannoverschen Armee versprechen auf Ehrenwort, gegen Preußen nicht zu dienen, behalten Waffen, Gepäck und Pferde, sowie demnächst Gehalt und Competenzen, und treten der preußischen Administration des Königreichs Hannover gegenüber in die selben Rechte und Ansprüche, welche ihnen bisher der königlich hannover schen Regiemng gegenüber zustanden. "o. Unteroffiziere und Gemeine in der königlich hannoverschen Armee liefern Waffen, Pferde und Munition an die von Sr. Majestät dem König von Hannover zu bestimmenden Offiziere und Beamten ab und begeben sich in den von Preußen zu bestimmenden Echelons mittelst Eisenbahn in ihre Heimath mit dem Versprechen, gegen Preußen nicht zu dienen. "6. Waffen, Pferde und senstiges Kriegsmaterial der hannover schen Armee werben von besagten Offizieren und Beamten an preußische Commissaire übergeben." Die hannoversche Armee kehrte in den folgenden Tagen zum größten Theile über Braunschweig in die Heimath zurück, höchst liebevoll in Braunschweig und mir- Begeisterung und ungeheucheltem Schmerze über das unglückliche Geschick im Vatcrlande aufgenommen. Sogleich auf die erste Nachricht vom Kampfe hin waren von Hannover aus Anstalten getroffen worden, den armen Verwundeten beizustehen und natürlich war die Opferwilligkeit eine allgemeine und unbegrenzte. So z. B. ließ, während eines Concerts im Tivoli zu Hannover am 30. Juni, welches vom Braunschweiger Stadtmustkcorps unter Leitung seines Dirigenten Herrn Bretthauer gegeben wurde, letzterer, aus Veranlassung des Stadt bircctors Herrn Rasch, Achtung blasen und Herr Rasch richtete an die anwesenden Bürger die Bitte, sich im großen Saale zu versammeln. Dort schilderte er denselben die augenblickliche traurige Lage der Armen und forderte sie auf, alles Ueberftüssige an Betten, Kleidern, Hemden, Leinen, Nahrungsmittel :c. den Verwundeten zu übermitteln. Von allen Seiten wurde dieser Bitte bereitwilligst Folge geleistet. 6 Eisenbahn wagen wurden mit Brot, Fleisch, Getränken, Leinen, EiS ic. vollgepackt. Bürgervorfteher Guthe arrangirte sofort einen Ertrazug nach Göttingen, indem gegen 20 Aerzte, Diakonissinnen und barmherzige Schwestern, Apotheker und deren GeHülsen Platz nahmen. So wurde der tapfern Armee ihr hartes Geschick wenigstens durch die Liebe ihrer Angehörigen versüßt. Wir fügen dem Schlüsse dieser Berichte noch einen Ausruf für die Verwundeten, die amtliche Verlustliste der Hannoveraner und "das westphälische Sommerlied" Ferdinand Freiligrath's bei. Mitbürger in Stadt und Land! Ihr Alle kennt die Ereignisse des 27., 28. und 29. Juni. Bei Langensalza liegen mehr als Tausend unserer Brüder dahingestreckt auf dem Felde der Ehre, welche getreu ihrem Eide, dem Rufe ihres Kriegs herrn in begeisterter Ergebenheit folgend, ihr Blut für die Sache, die er vertrat, geopfert haben. Mitbürger! Unsere Brüder sind es, die dort standen und starben, unsere Brüder, die dort verschmachtend liegen, es sind die braven, tapferen Kinder unseres Landes! Hülfe thut ihnen Noth, viel, viel der Hülfe! Nicht die Gefallenen bedürfen mehr unserer, aber ihre Hinterbliebenen, deren Thränen in diesem Augenblicke in das offene Grab unserer Braven fallen, die Familien, welche rathlos zurückgeblieben sind, die den Vater, den Ernährer bejammern, und mit erhobenen Händen zu uns flehen: helft! helft uns und den ver lassenen Kindern. ES sind die Verwundeten, die unserer bedürfen, jene wackeren, un glücklichen Soldaten, denen kaum die erste Erquickung gereicht werden konnte, deren verlangendes Auge nach der Bruderhand ausschaut, die theilnehmend, lindernd sich in die ihre legt! Mitbürger! Alle jene unglücklichen Braven bedürfen unserer Hülfe Sie bedürfen derselben nicht für heute und morgen, sondern die Mehrzahl derselben und die Familien der Gefallenen für längere Zeit, bis einst in anderer Weise für dieselben gesorgt werden kann. Darum, Ihr Alle, welche Ihr das Vaterland liebt, deren Auge feucht wird Angesichts des furchtbaren Looses, welches einen Theil seiner besten Söhne ereilte, thut Eure Hand auf und gebt — gebt nach Kräften, aber gebt rasch, und wer in diesem Augenblicke nur wenig geben kann, der gebe in den nächsten Wochen und Monaten öfter. Noch lange wird Hülfe Noth thun! Die Unterzeichneten sind mit Genehmigung der königlich preußischen Civilbehörde Hierselbst vorläufig zu einem Comit« zusammengetreten, um möglichst rasch — denn wir wiederholen, rasche Hülfe thut Noth! — die sicher von Vielen für diesen Zweck schon bereit gehaltenen Geldmittel zu einem disponiblen Fonds zu vereinigen. Unsere Mitbürger hier in der Stadt bitten wir,- ihre Gaben den Unterzeichneten einhändigen zu wollen. Aus den Provinzen bitten wir die Einsendungen unter der Adresse "An das Comite für die Verwundeten und die Hinterbliebenen der ge- fallenen hannoverschen Soldaten in Hannover" einsenden zu wollen. Die Abrechnung wird in den öffentlichen Blättern geschehen. Hannover, 30 Juni 1866. Klingenberg, Sanitätsrath, Köbelingerstraße 8. Phil. Bursch, Uhrmacher, Breitestraße 30. Zum Berge, Dr. Phil., Marktstraße 63. August Ery thropel, Kaufmann, Kramerstraße 23. Georg Iänccke, Osterstraße 88. Kniep, Generalagent, Herrenstraße 1. EH. Ebhardt, Obergerichts anwalt und Notar, Knochenhauerstraße 58. Richter, Pastor, Joseph, straße 3. Schaffner, Lehrer, Höltystraße 12. Lackemann, Kaufmann- Knochenhauerstraße 22. Krieger, Rath, Taubenfeld 17. Julius Messe, Hotel de Russie, Ernst-August-Platz 4. Heinrich Schütte, Generalagent, Artilleriestraße 3. G. Mehlis, Obergerichtsanwalt, Am Graben 5, Bindemann, Amtsrentmeister, Wagenerstraße 20. Mummenthey, Lehrer Leinstraße 26. Gerhard Wisse!, Tischlermeister, Leinstraße 3. Kar Rümpler, Commcrzienr.ith , Windmühlenstraße 7. Christian Iänecke Buchdruckereibesitzcr, Osterstraße 88. Hermann Kette, Kaufmann, Calen bergcrstraße 26. H, F. Grimschl, Färbermcister , Langestraße 31 a Karl Tieburg, Kaufmann, Eeilwinderstraße 7. Theodor Schulze, Buch händler, Osterstraße 85. Karl Iünke, Schmiedemeister, Artilleriestraße 5, Ziehe, Medicinalrath , Breitestraße 5. A. H. Schrader, Kaufmann Steinthorstraße Weftphälisches Sommerlied. Bei Wetterschein und Regenguß Und in der Sonne Strahlen, Wie thust du freudig Schuß auf Schuß, Du Saat im Land Westphalen! Du Hellwegsroggen schlank und schwank, Korn sieben Fuß und drüber lang, Wie herrlich stehst und reifst du! "Ich reif' und wachse mit Gewalt, Es trieft das Jahr von Segen; Vollauf, zu sättigen Jung und Alt, Reif ich an allen Wegen. Doch weißt du nicht, o Wandersmann, Daß Heuer mich nicht ernten kann, Wer frohen Muths mich sä'te? "Hinaus durch meiner Aehren Rauch, Hinaus in Reih'n und Rotten, Die Faust geballt, die Thrän' im Aug', Zog er von Kamp und Kotten; Die Trommel rief ihn und das Horn: Er soll des deutschen Bruders Korn Im Bruderkrieg zerstampfen. "Wer holt denn nun zum Erntetanz Die schmucken Dirnen Heuer? O weh, wer schwingt den Erntekranz Wer Pflanzt ihn auf die Scheuer? Es ist ein Schnitter, der heißt Tod, Der mäht dies Jahr mit Kraut und Loth, — Ich weiß, wer ihn gedungen! "Es singt ein Vöglein auf der Haar, Am Elbstrom und am Maine, Da liegt, der hier ein Pftüger war, Erschlagen auf dem Raine, Er war der Seinen Stolz und Lust, Ein Bruder schoß ihn durch die Bruß! Ich rausche leis' im Winde." Ferdinand Freiligrath
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If you use this dataset, please cite the correponding paper:
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author = {Lukas Gienapp and
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